Gabriele Schor, Leiterin der Sammlung Verbund

"Diese Arbeit von Maurizio Cattelan ist eindeutig ein Plagiat"

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Frau Schor, wie sind Sie auf die Cattelan-Arbeit aufmerksam geworden?
Der Nachlass von Birgit Jürgenssen ist im Internet zufällig auf die Seite des Fotografen Pierpaolo Ferrari gestoßen. Er hat Cattelans Arbeit für das Magazin „Tar“ fotografiert und dieses Foto auf seine Homepage gestellt. Ich war mehr als erstaunt, als ich das Bild sah: Die ganze Darstellung, selbst das Fell im Hintergrund und die Strumpfhose der Frau, sogar der Titel „Nest“  ist der Gleiche wie bei Birgit Jürgenssen. Das ist kein Zitat, keine Anspielung – das ist eindeutig ein Plagiat.

Haben Sie Cattelan darauf angesprochen?
Ich habe ihn in einer Email auf Jürgenssens Arbeit aufmerksam gemacht. Er hat prompt geantwortet – und alles abgestritten. Er bedankte sich, dass ich seine Aufmerksamkeit auf diese, Zitat, „Episode“ gelenkt habe, eine für ihn „völlig überraschende“ Nachricht. Im Übrigen sei schon der bloße Verdacht, er habe sich bewusst bei einem anderen Künstler bedient, „eine Beleidigung, die ich nicht ertragen kann.“ Ich habe ihm dann geantwortet, dass ich ihm mit Vergnügen meine Monografie von Jürgenssen schicken würde – damit er auch ihr übriges Werk kennenlernt. Gerne, schrieb er zurück, aber ich möge das Buch doch bitte an seine Galerie adressieren, er sei momentan sehr viel auf Reisen.

Er weist die Vorwürfe also zurück?
Nach außen streitet Cattelan alles ab. Aber andererseits hat er dafür gesorgt, dass der Fotograf Ferrari das Bild von seiner Homepage nimmt. Das kann man schon als klares Schuldeingeständnis werten.

Gegen Cattelan wurden auch in der Vergangenheit schon Plagiatsvorwürfe erhoben.
Er scheint das sehr gern zu machen. Cattelan soll ein Werk von Francesca Woodman kopiert haben – eine weitere bereits verstorbene Künstlerin. Und auch Vanessa Beecroft hat ihm Ideenklau vorgeworfen. Es gibt kulturell scheinbar zwei verschiedene Haltungen gegenüber dem Vorgang des Kopierens. Wenn man einem Chinesen einen solchen Diebstahl vorwirft, würde er sagen: "Ja, das stimmt, das Werk hat mir so gut gefallen, und außerdem kopiere ich nur das Beste." Offenbar haben die Italiener nicht die Größe, das einzugestehen.

Haben Sie vor, rechtlich gegen Cattelan vorzugehen?
Einen Prozess wollen wir nicht anstreben. Obwohl das Werk sich seit fünf Jahren in unserer Sammlung befindet und zuletzt in unserer "DONNA"-Schau der Feministischen Avantgarde in der Galleria nazionale d’arte moderna in Rom ausgestellt wurde. Uns geht es um eine Richtigstellung in der Öffentlichkeit – und wir würden uns natürlich freuen, wenn das Magazin „Tar“ in seiner nächsten Ausgabe auf diese Sache eingeht.

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