Edinburgh Art Festival

Drinnen ist auch schön

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Das Edinburgh Art Festival macht dem Badesee Konkurrenz

Kunst und August, das ist traditionell ein harter Wettstreit. Der Betrieb macht Urlaub, die wichtigen Schauen kommen oft erst im September in die Museen, und draußen locken Badeseen, Eisdielen und Musikfestivals. Das schottische Edinburgh schlägt aus dem Zwiespalt Kapital und veranstaltet seit über zehn Jahren das größte Festival der bildenden Kunst in Großbritannien. Trotz Ferienzeit kamen voriges Jahr beinahe 300 000 Besucher.

Beteiligt sind öffentliche Institutionen wie private Galerien, das Edinburgh College of Art (mit seinen Absolventen), die schottische Nationalgalerie und die Queen’s Gallery, die Werke schottischer Maler von 1750 bis 1900 in den Mittelpunkt einer Sonderschau rückt: "From Caledonia to the Continent" zeigt, wie sie ihr eigenes und die fernen Länder des Empire sahen. Vielleicht ist das auch als dankbares royales Kopfnicken in Richtung der selbstbewussten Schotten zu betrachten, die sich vergangenes Jahr knapp gegen die Unabhängigkeit von Großbritannien aussprachen.

Das Festivalmotto ist dieses Jahr "Improbable City", also die unwahrscheinliche, die fantastische Stadt. Sieben internationale Künstler wurden von der Festivaldirektorin Sorcha Carey mit neuen Werken beauftragt. Die Britin Marvin Gaye Chetwynd wird eine "performative Installation" schaffen, die auf dem historischen Roman "The King Must Die" der Griechenland-Kennerin Mary Renault­ basiert. Chetwynd bedient sich für ihre wild ausufernden Installationen unter anderem bei Hippie-Happenings der 60er und Science-Fiction-Filmen wie "Starship Troopers"; im Jahr 2012 war sie für den Turner Prize nominiert.

Neben solchen Festivalproduktionen sollen vor allem Museumsschauen das Publikum in die Stadt locken. Die Lückenfüller, die Sommerausstellungen oft sind, verbieten sich den lokalen Institutionen schon durch die geballte Aufmerksamkeit, die das Festival nach Edinburgh bringt. Es ist auch eine Chance, bisher Versäumtes nachzuholen: Bereits seit Mai läuft in der Scottish National Portrait Gallery eine Ausstellung über Lee Miller und Picasso (bis 6. September). Die Fotografin lernte den Maler im Sommer 1937 in Frankreich kennen und fotografierte ihn in den folgenden Jahren über tausendmal, Picasso wiederum malte sechs Porträts von Miller.

Im Inverleith House, einem Herrensitz aus dem 18. Jahrhundert, ist derweil die erste institutionelle Einzelschau des 2011 gestorbenen Amerikaners John Chamberlain in Großbritannien zu sehen (bis 4. Oktober). Seine zusammengepressten Metallskulpturen erstrecken sich bis in den großzügigen Landschaftsgarten – man kann Kunst gucken und trotzdem draußen sein.

Die Kontrahenten bildende Kunst und Hochsommer gehen in Edinburgh mit einem klaren Unentschieden vom Platz. Gewinner ist der Zuschauer.

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