Im Aprilheft von Monopol

Ist die Street-Photography am Ende?

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Kamera weg, oder ich hole den Anwalt: Was wird aus der Street-Photography in Zeiten der Klagen auf Persönlichkeitsrecht?

 

Um Erlaubnis haben sie nicht gefragt: Als die legendären Vertreter der Street-Photography auf den Auslöser drückten, spielte das Persönlichkeitsrecht der Porträtierten kaum eine Rolle. Neuere Gerichtsverfahren deuten an, dass wir heute vor einer Zeitenwende stehen – der Freiraum für die wilde Motivsuche wird immer enger, gerade in Deutschland. Müssen Fotografen, wie Henri Cartier-Bresson einst prophezeite, bald an der Seite von Anwälten um die Häuser ziehen?

Daniel Kothenschulte schreibt in der April-Ausgabe von Monopol, die ab Donnerstag ma Kiosk erhältlich ist, über das Recht am eigenen Bild und ein Genre in der Defensive.

Am Anfang stand ein Ateliertausch zwischen Tel Aviv und Berlin. Die beiden Künstler kannten sich nicht – in der Aprilausgabe von Monopol präsentieren sie eine außergewöhnliche Zusammenarbeit: Collagen über das Leben und die Politik in Deutschland und Israel, 50 Jahre nach Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern.

Zudem präsentieren Norbert Bisky und Erez Israeli in der neuen Monopol ein Gemeinschaftskunstwerk: Die großzügige Künstlerstrecke, ein Kunstwerk für alle Leser, besteht aus Symbolbildern einer so ungewöhnlichen wie schwierigen Freundschaft zwischen zwei Staaten. Und scheut dabei von provokanten Motiven nicht zurück: Soldaten der Wehrmacht und schwule Jungs – nackt allesamt. Ein Bataillon von VW-Käfern und das Symbol der Ausstellung "Entartete Kunst". Die jüdische Menora und Meister Proper als Skin, das brennende Tel Aviv und eine Reihe von Goldzähnen – nein, leicht verdaulich sind die Collagen, über Monate entstanden, nicht.

Warum auch? Das Thema lässt keinen kalt, die Debatte um den Nahostkonflikt und die deutsche Verantwortung wird erhitzt geführt. Es ist nicht an den Künstlern, das alles in Watte zu packen. Im Gegenteil. Wer, wenn nicht ein Künstler, könnte einen Blick auf Alltag und Geschichte in Israel und Deutschland werfen, der quer zum Konsens steht, der Klischees und Tabus aufnimmt und zuspitzt und dabei an Schärfe gewinnt?

Außerdem in Monopol: Ein Porträt des angesagten New Yorker Architekturbüros Diller, Scofidio und Renfro, bekannt durch die High Line in Manhattan, und ihre aufregenden neuen Projekte. Die Wiederentdeckung des legendären, charismatischen James Lee Byars, der mit Joseph Beuys befreundet war und seinen eigenen Tod als Kunstwerk inszenierte. Ein Special über die größte deutsche Kunstmesse, die Art Cologne, die im April stattfindet. Dazu: Interviews mit Julia Stoschek und Siri Hustvedt. Sowie: Antworten auf die Frage, was den Popstar Madonna mit der Kunstgeschichte verbindet.

 

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