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Interview mit Malerin des Queen-Geschenkes

"Meine Bilder machen Freude"

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Am Mittwoch überreichte Bundespräsident Joachim Gauck Königin Elisabeth II. ein Gemälde als Gastgeschenk: Es stellt die Queen als Kind mit Pferd und Vater da. Die britische Presse mosert rum. Die Malerin, Nicole Leidenfrost aus Hamburg, sieht's gelassen: "Alles hoch aufregend, ich habe daran sehr viel Freude!"

Nicole Leidenfrost, gestern überreichte Bundespräsident Joachim Gauck der Queen eines Ihrer Bilder als Geschenk. Was war seither bei Ihnen los?
Ein ziemlicher Presserummel. Journalisten aus Deutschland und England wollen Interviews, es gibt Kaufanfragen, jetzt kommt sogar jemand aus Berlin, weil er ein Werk von mir erwerben will. Ich bekomme auch von Leuten, die ich länger nicht gesehen habe, Glückwünsche, alte Freunde melden sich. Alles hoch aufregend, ich habe daran sehr viel Freude!

Wie kam es zu dem Auftrag? Sind Sie mit Joachim Gauck bekannt?
Ich hab die verrücktesten Fragen bekommen: Ob ich die Queen kenne, ob ich im Buckingham Palace mit ihr Tee getrunken habe … Aber ich kenne weder die Queen noch den Bundespräsidenten persönlich. Bei einer Charity-Aktion erfuhr ich vor einiger Zeit, dass das Bundespräsidialamt Kunstwerke als Geschenke verwendet. Daraufhin habe ich mich dort beworben und sehr viel Zuspruch bekommen, denn meine Bilder machen Freude. Im April bekam ich eine Anfrage des Präsidialamtes.

Wie sind Sie auf das Motiv gekommen?
Das Präsidialamt fragte nach einem meiner Pferdebilder, weil die Queen bekanntlich ein großer Pferdefreund ist. Ich habe vorgeschlagen, ein neues Bild zu machen und bin auf der Suche nach einer Vorlage im Internet auf ein Foto gestoßen, das die Queen als junges Mädchen auf einem Pferd zeigt. Das Bild war für mich sehr herzerwärmend.

Wie hoch war Ihr Honorar?
Das werde ich für mich behalten. Bei so einem Auftrag geht es um die Ehre, nicht um Dollarzeichen.

Hat sich Joachim Gauck persönlich bei Ihnen gemeldet?
Nein.

Und waren Sie bei der Übergabe dabei?
Leider nicht. Ich habe es im Fernsehen verfolgt, das war einfach gigantisch, ein sehr ergreifender Moment.

Haben Sie bislang von Ihrer Kunst leben können?
Sagen wir es so: Ich bin Berufskünstlerin, und ich verkaufe seit 20 Jahren. Auch der Sammler Reinhold Würth hat schon bei mir gekauft.

Stimmt es, dass Sie bei Elvira Bach studiert haben?
Ich habe an der privaten Kunstakademie Bad Reichenhall studiert, dort gibt es Kunstkurse, mal mit Elvira Bach, mal mit Markus Lüpertz, die ich besucht habe.

Ihr Bild zeigt ein blaues Pferd. Eine Anspielung auf die Künstlergruppe "Der blaue Reiter"?
Ja klar, diese starke Symbolik war mir wichtig, gerade als deutscher Künstler.  Auf der anderen Seite ist das Royal-Blau natürlich auch eine königliche Farbe.

Die Queen hat etwa irritiert auf Ihr Bild reagiert.
Schon, aber sie hat auch gelacht. Die Stimmung war sehr gut, das Bild kam gut an.

Die britische Medien waren nicht eben begeistert: Der "Daily Telegraph" spricht von "groteskem Kitsch".
Alles gut. Ich hab das gesehen, aber da bin ich sehr entspannt. Wissen Sie, viele große Künstler, die heute Millionen kosten, sind einst von der Presse attackiert worden – insofern bin ich voll auf Kurs.

 

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