Fashion Week in Berlin: Designer Julian Zigerli und Künstler Fabian Fobbe

Flieger, grüß mir die Sonne

Julian Zigerli hat sich für seine neue Kollektion mit dem Berliner Künstler Fabian Fobbe zusammengetan. Der Menswear-Designer aus Zürich gab ihr den Titel „My Daddy was a Military Pilot“ - sein Vater arbeitete für das Schweizer Militär. Wir sprachen mit dem Modemacher und dem Künstler über den Film "Top Gun", über den Zusammenprall der Elemente und die Präsentation der Entwürfe im Rahmen der Berliner Fashion Week

Herr Zigerli, wie kam es zu der Zusammenarbeit mit einem Künstler?
Julian Zigerli: Ich hatte das Thema und den Titel für diese Kollektion schon früh gefunden, denn ich hatte bei meinem Vater mal Fotos und Flugzeugmodelle entdeckt. Fabian kenne ich über eine Freundin, mit der ich an der Berliner Universität der Künste studiert habe. Ich habe bei ihr und Fabian gewohnt, als ich letzte Saison in Berlin war, und war dort umzingelt von den schönen Bildern. Ich mochte sie schon immer, auch die Art, wie Fabian arbeitet. Dann habe ihn mal gefragt.

Und wie war Ihre Reaktion, Herr Fobbe?
Fabian Fobbe: Ich habe mich sehr darüber gefreut, denn ich wollte schon länger Textildrucke entwerfen. Die Thematik fand ich auch spannend: das Kampffliegerthema eher so auf der atmosphärischen Ebene anzugehen.
JZ: Es geht eigentlich nicht ums Militär. Es geht um den Piloten und darum, was da oben im Cockpit so passiert. Um die Kraft, die so ein Flugzeug hat, die Überschallgeschwindigkeit und der Zusammenprall so vieler Elemente.

Die Farben ihrer Kollektion sind eher psychedelisch, als wäre der Pilot auf einem Trip.
FF: Wir haben angefangen, Fotos auszutauschen, vor allem von Himmel. Wolken, Dämmerungen und deren Farben, darüber ist das entstanden. Später ist das gesamte Regenbogenspektrum dazu gekommen.
JZ: Wasser und Wellen waren außerdem ein Thema. Natürlich kommt das auch von „Top Gun“ mit Tom Cruise. Der Film hat so gute Bilder von dem Flugzeugträger und den Maschinen. Und das Wasser spiegelt sich da immer so schön.
FF: Und die Luft flirrt von der Hitze. Die Prints erinnern an eine reflektierende Wasseroberfläche, abstrahiert und am Computer nachempfunden.
JZ: In der Kollektion gibt es sowohl das Farbspektrum des Morgens als auch des Abends, wenn die Sonne schon untergegangen ist und sich das Mondlicht im Wasser spiegelt.

Lehnen sich die neoprenartigen Stoffe, die Sie verwenden, auch an das Militär an?
JZ: Der Stoff nicht unbedingt, es gibt aber viele Referenzen. In meinem Atelier hing bei der Arbeit an der Kollektion ein Overall meines Vaters, der überall diese Klettverschlüsse hat, auf die man die Karte oder was auch immer kleben kann. Im Cockpit muss alles praktisch sein, es ist sehr eng und man düst mit Überschallgeschwindigkeit durch die Luft, da muss alles griffbereit sein und nichts darf schief gehen. Ich habe die drei breiten Klettstreifen am Bein übernommen. Das ganze Thema ist sehr männlich.

Bringt aber auch eine gewisse Homo-Erotik mit sich. Sie haben die Militäranleihen mit Paillettentaschen, Herzchen und Regenbogenfarben kombiniert – ein Clash!
FF: Das Thema Militär war eher Ausgangspunkt, bevor wir dann in Richtung atmosphärischer, elementarer Stimmungen gegangen sind. Bei meinen Bildern kombiniere ich auch technische Elemente, etwa exakte geometrische Figuren mit Farbverlauf und daneben gestische Malerei mit herunterfließender Farbe. Da trifft auch Natur auf Technik.

Die Stricksachen der Kollektion sind auch eher organischer Natur.
JZ: Ich liebe ja technische Stoffe genauso wie Naturfasern. Das Muster, das Fabian entwickelt hat, habe ich auf Seide und auf den Neoprenstoff drucken lassen. In der Optik sind sich beide Stoffe ähnlich, sie glänzen beide sehr und sind doch völlig gegensätzlich.

Mode und Kunst gehen nicht oft zusammen, weil die Rezeption sehr unterschiedlich ist, auch wenn sich die Mode mit Hilfe der Kunst zuweilen gern mit Bedeutung aufladen will. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
FF: Unsere Zusammenarbeit rührt einfach daher, dass ich mich für Mode interessiere und Julian sich für Kunst.
JZ: Die Arbeitsweise ist ähnlich, und wir wollten sehen, was passiert.
FF: Es gibt zwar oft Berührungsängste, aber das kann ich nicht nachvollziehen. Wir haben für die Präsentation sowohl meine, als auch Julians Kontakte eingeladen. Wir finden die Mischung des Publikums interessant.
JZ: Für mich war klar, dass wir die Präsentation gemeinsam machen. Ich fand das Umfeld einer Galerie sehr schön, meine Models kannst du hinstellen wo du willst, aber die Kunst funktioniert am schönsten in der Galerie.

Fabian Fobbe und Julian Zigerli zeigen am Mittwoch, 4. Juli, ab 21 Uhr die neue Kollektion sowie Malerei in der Berliner Galerie  Cruise&Callas. Die Kollektion wird außerdem am 5. und 6. Juli im Collect Showroom im Postbahnhof Berlin präsentiert.
Fabian Fobbe wird vertreten vom Laden für Nichts, Leipzig.

 

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