Löwen-Preisträgerin Adrian Piper

"Im Ruhestand vom Schwarzsein"

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Die 66-jährige US-Konzeptkünstlerin und Philosophin Adrian Piper gewinnt den Goldenen Löwen der diesjährigen Venedig-Biennale für den besten Künstlerbeitrag. Ein Porträt

Adrian Pipers Selbstauskunft ist denkbar knapp. "Ich mache meine Arbeit und kümmere mich um meine Stiftung", schreibt die 66-jährige US-Konzeptkünstlerin und Philosophin auf ihrer Homepage kurz. Dass sie nun bei der Biennale in Venedig den Goldenen Löwen als beste Künstlerin bekam, zeichnet ihr lebenslanges künstlerisches Engagement gegen Vorurteile und Ungleichheit aus.

Seit 2005 lebt die gebürtige New Yorkerin in Berlin, wo sie die Adrian Piper Forschungsstiftung (APRAF) gründete. Im Stadtteil Wedding fördert sie damit die interdisziplinäre Erforschung und Weiterentwicklung ihres Werk. In Berlin erholte sie sich völlig unerwartet auch von der unheilbaren chronischen Krankheit, die in den USA diagnostiziert worden war.

Piper arbeitet mit allen denkbaren Materialien vom Bleistift bis zur Videokamera. Wichtig ist ihr das Konzept, das hinter jeder Werk steht und stark sowohl von ihrer philosophischen Arbeit wie auch von ihrer lebenslangen Yogapraxis beeinflusst ist. Ihre Installationen findet sich in vielen großen Museen der Welt.

Interviews gibt sie nicht. Dafür steht auf ihrer Homepage eine fünfzehnseitige korrigierte Fassung ihres Wikipedia-Eintrags. "Wie alle Amerikaner ist Piper rassisch gemixt", heißt es da. Neben afro-amerikanischen Einflüssen hat sie demnach vor allem britische und deutsche Vorfahren.

2012 verkündete sie ihren "Ruhestand vom Schwarzsein", mit dem sie sich zuvor in der männerdominierten weißen US-Kunstszene oft schmerzlich auseinandersetzt hatte. Neben ihrer künstlerischen Arbeit lehrte Piper jahrelang an renommierten Universitäten wie Harvard und Stanford Philosophie.

Aus einem fast 35-jährigen Kant-Studium entstand bis 2008 ein zweibändiges Mammutwerk über "Rationalität und die Struktur des Selbst". Zudem gibt sie mit ihrer Stiftung die Zeitschrift "Berlin Journal of Philosophy" heraus, die auf neue Formen sauberer wissenschaftlicher Arbeit setzt.

Biennale-Kurator Okwui Enwezor fasste es bei der Löwenverleihung so zusammen: "Ihre Präsentationen laden uns zu einer lebenslangen Performance persönlicher Verantwortung ein."

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