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Moon Kyungwon & Jeon Joonho in Zürich

Apocalypse now

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In Zürich retten die Koreaner Moon Kyungwon und Jeon Joonho die Kunst vor dem Weltuntergang

Moon Kyungwon und Jeon Joonho stehen da wie außerirdische Popstars. Ein bisschen sieht das Künstlerduo auch aus wie Yoko Ono und John Lennon in den Flitterwochen. Jeon erzählt, wie es zu den "News from Nowhere" gekommen ist, die sie jetzt in Zürich zeigen: "2007 trafen wir uns, wir waren beide verzweifelt, erschöpft, rannten von Ausstellung zu Ausstellung und fragten uns: Was tun wir? Was ist Kunst? Braucht sie irgendjemand?" Der nächste Schritt war, diese Fragen nicht nur einander zu stellen, sondern anderen: Wissenschaftlern, Designern, Modemachern.

Bald reichte das kollaborative Projekt über die Gegenwartskunst hinaus, die Zukunft der Menschheit geriet in den Blick. Science-Fiction bot sich als Setting an. Logisch, dass dann bei zwei Künstlern aus der cineastischen Wunderkammer Korea vor allem Filme herauskommen. Und dass all dies mit den zentralen
Gegenwarts- und Zukunftslabors, den Städten, zu tun haben muss. Mit Architektur und Anmut, aber auch Zumutung und Armut. Mit der Frage, die sich im überprivilegierten Europa ganz direkt stellt: Wollen wir so leben wie in Shanghai, Kalkutta oder Medellín?

Im Züricher Migros Museum sind jetzt die beiden großen Filme von Moon und Jeon zu sehen, "El Fin del Mundo" und "Avyakta". Es geht um die Übersetzbarkeit eines recht romantischen Kunstbegriffs ins postapokalyptische Zeitalter: Eine Wissenschaftlerin im klinisch weißen Gewand findet die Überreste des Werks eines Tüftlers, der kurz vor dem Weltuntergang noch einen toten Hund oder eine Lichterkette verarbeitete. Ihre Annäherung sieht selbst wie Kunst aus, und allmählich übernimmt die Kunst die Frau, sie begründet eine ästhetische Revolution.

Ergänzt werden die Filme durch den Versuch der Züricher Denkwerkstatt Urban-Think Tank, die Agora als soziale Skulptur wiederzuerrichten – im Museum mit fahrbaren Sitztreppen, in der Stadt mit einer kommunikativen Rikscha. Und dann gibt es zur Freude der Besucher noch einen vernetzten Tisch, entwickelt vom Lehrstuhl für Informationsarchitektur und dem Future Cities Laboratory der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH): Das Geschicklichkeitsgame wird von ungewöhnlichen Bildern gespeist, die Studierende aus Dutzenden Städten weltweit geliefert haben. Notsignale aus unserem prekären, präapokalyptischen Zustand. Bei Yoko und John hieß die Utopie noch "Peace". Moon und Jeon inszenieren eine Beschwichtigung in Weiß: einen kühlen, wunderschönen Tod.

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