Größte Fotomesse der Welt

Starke deutsche Präsenz bei Paris Photo

Paris (dpa) - Helmut Newton, Irving Penn, Lee Friedlander, Bettina Rheims und Annie Leibovitz sind nur einige der Großen, auf die man in Paris auf der weltweit bedeutendsten Fotomesse stößt. Sie spiegeln die Qualität wider, die die Paris Photo in den vergangenen Jahren erreicht hat. Dass die Anzahl der Galeristen jährlich steigt, erstaunt nur wenig. Mit 136 Kunsthändlern stellen seit diesem Donnerstag im Grand Palais so viele Galeristen aus wie noch nie. Eine Tendenz, die auch bei den Deutschen anhält. Mit 26 Kunsthändlern stellen sie nach den USA (32) das Gros der ausländischen Teilnehmer.

Die Nischen sind mit auserlesenen Werken bestückt. Die Galerie Feroz aus Bonn schmückt sich mit dem «Konditormeister», einem seltenen datierten und signierten Vintage-Print von August Sander. Metro Pictures aus New York zeigt Werke von Cindy Sherman und das Flaggschiff Gagosian Richard Avedon und Andreas Gursky.

Camera Work, eine der zahlreichen Galerien aus Berlin, wartet mit Helmut Newton, Robert Polidori und Thomas Ruff auf. Namen, die beim VIP-Publikum am Mittwoch auf sichtbares Interesse stießen, denn neben einigen Werken hing bereits der rote Verkaufspunkt. «Wir kommen gern auf die Paris Photo, weil hier noch beides gezeigt wird - historische und zeitgenössische Fotografie», sagte Jan Burghardt von Camera Work.

Mittlerweile nehmen auf der 1996 gegründeten Messe Arbeiten von Gegenwartskünstlern jedoch immer mehr zu, was eine rein rechnerische Entwicklung ist. Die derzeitigen zeitgenössischen Stars, die man in Paris gleich in mehreren Galerien findet, sind der Spanier Eugenio Recuenco mit seinen Frauen in kunsthistorischen Szenen und der Japaner Hiroshi Sugimoto mit seinen subtilen Arbeiten vom Vergehen der Zeit.

Die Präsenz der Deutschen ist dieses Jahr besonders stark, denn erstmals wurden das Essener Museum Folkwang sowie einer der bedeutendsten Sammler zeitgenössischer Kunst, Harald Falckenberg, nach Paris geladen. In den Sonderbereichen für öffentliche und private Sammlungen geben sie Einblick in ihre Kunstschätze. Das Folkwang-Museum - eine der wichtigsten Sammlungsstätten für Fotografie - zeigt seine jüngsten Erwerbungen, darunter Kriegsbilder des legendären Magnum-Fotografen Robert Capa und Bilder der ägyptischen Revolution, die mit Smartphones und digitalen Kameras erfasst wurden.

Protagonisten des klassischen Fotojournalismus versus Citizen Journalists? Nicht nur. «Mit dieser Konfrontation stellen wir generell die Frage nach der Zukunft der Fotografie in den Raum», erklärte Florian Ebner, der Leiter der fotografischen Sammlung des Museums. Digital-Fotografie werde in den nächsten Jahren noch eine wichtige Rolle spielen. Er sei erstaunt darüber, dass auf der Messe kaum digitale Fotokunst zu sehen sei.

Die Sammlung von Harald Falckenberg zählt mehr als 2000 Werke zeitgenössischer Kunst. Zwanzig Prozent davon seien fotografische Arbeiten, wie er sagt. In Paris zeigt der gebürtige Hamburger unter anderem Schwarzweiß-Fotografien von Sigmar Polke und eine Collage von Albert Oehlen. Ihn interessiere vor allem die Konzeptkunst, erklärt Falckenberg weiter. Auf die Paris Photo komme er regelmäßig. Doch irgendwie sei eine Fotomesse ein Anachronismus. «Heute sind Künstler multimedial und bewegen sich zwischen den verschiedenen Kunstformen.»

Paris Photo, bis 17. November

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