Angriff in Amsterdam

Airbnb-Vermieter stößt Filmemacherin Treppe hinunter

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In einer womöglich rassistisch motivierten Attacke hat ein Vermieter des Ferienwohnungsvermittlers Airbnb in Amsterdam die südafrikanische Filmemacherin und Autorin Sibahle Nkumbi angegriffen.

Nkumbi war nach Amsterdam gereist, um am Freitag die Eröffnung der befreundeten Künstlerin Zanele Muholi im Stedelijk Museum zu besuchen, um darüber zu schreiben. Muholi war Zeugin des Angriffs und postete ein Video davon auf Instagram. In dem Video, das nicht von Muholi selbst aufgenommen wurde, ist zu sehen, wie Nkumbi eine Treppe hinuntergestoßen wird und regungslos liegen bleibt. Sie zog sich nach eigenen Angaben dabei mehrere Prellungen und eine Gehirnerschütterung zu und musste im Krankenhaus behandelt werden.

In einem Video-Interview mit dem niederländischen Journalisten Kevin P. Roberson äußert sich das Opfer über den Hergang der Tat, bei der es offenbar um den zu späten Check-out ging. Die Vermieterin sei verärgert gewesen, aber höflich geblieben. Nkumbi habe sich entschuldigt und um ein paar Minuten Aufschub gebeten. Als die Vermieterin zurückkam, wurde sie von ihrem Mann begleitet, der wütend an die Tür gehämmert habe. Nachdem Nkumbi die Tür geöffnet habe, habe der Mann sie mehrmals mit "ihr Leute" angesprochen und gesagt, sie sei nicht die Künstlerin und Königin, die sie sich einbildet zu sein. Außerdem habe er gesagt: "Ihr müsst jetzt verschwinden, das ist hier nicht Afrika."

Airbnb-Chef Brian Chesky hat die Tat verurteilt: "So ein entsetzliches und unerhörtes Verhalten gegen ein Mitglied unserer Community verstößt gegen alles, wofür Airbnb steht." Chesky will persönlich mit Nkumbi sprechen. Airbnb will den Vermieter lebenslang von der Vermittlung ausschließen.

Sibahle Nkumbi, die in Bern studiert, und Zanele Muholi halten die Tat für rassistisch und sexistisch motiviert. Nkumbi hat gegen den 47-jährigen Vermieter Anzeige erstattet, er wurde verhaftet, ist aber mittlerweile laut Medienberichten wieder auf freiem Fuß. Am Ende des Video-Interviews sagt Nkumbi: "Wann werden wir aufwachen? Menschen sind Menschen."

 

Zanele Muholi ist bekannt geworden mit eindringlichen Porträts lesbischer Frauen. Die Serie "Faces and Phases" wurde von der Künstlerin und LGBT-Aktivistin 2006 begonnen und bis heute weitergeführt. Bilder dieser Reihe sind auch in der neuen Schau im Stedelijk Museum zu sehen, wobei einige der Porträtierten nicht mehr am Leben sind. Homosexuelle und Transgender-Personen leben in den Townships Südafrikas gefährlich. Ihre Fotos, sagt die Künstlerin, seien zugleich "ein visuelles Statement und ein Archiv, eine Chronik, eine Landkarte, und sie zeigen eine sonst überwiegend unsichtbare Gemeinschaft". Muholi wurde 1972 im Township Umlazi geboren, ein Jahr bevor die Siedlung zum regulären Stadtteil von Durban erklärt wurde. Ihre Fotoausbildung schloss sie 2003 ab, beim Market Photo Workshop in Johannesburg, einer von David Goldblatt 1989 gegründeten Schule.

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