Architekt Jean Nouvel im Interview

"Die Schönheit der Weite"

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Spektakulär, riesig und hochtechnisch: Den Louvre Abu Dhabi nennt der französische Architekt Jean Nouvel sein bislang bedeutendstes Werk. Von der Wüste hat er als Baumeister viel gelernt

Architekt Jean Nouvel (72) hat weltweit über 200 Bauwerke geschaffen, darunter die gläserne "Fondation Cartier" für zeitgenössische Kunst in Paris und die Galeries Lafayette in Berlin. Seine spektakulärsten Entwürfe haben sich jedoch die Wüstenstaaten am Persischen Golf eingekauft, darunter den Louvre Abu Dhabi. Das Museum gehört nicht nur zu seinen kompliziertesten Projekten. Es sei auch sein Meisterwerk, sagte Nouvel der Deutschen Presse-Agentur in Paris. Ein Interview über die Bedeutung von Architektur und sein Verhältnis zu den Golfstaaten.

Nach zehn Jahren findet die Eröffnung eines Museums statt, das bereits 2012 seine Türen hätte öffnen sollen. Welches waren die Probleme, auf die Sie gestoßen sind?
Jean Nouvel: Das Museum ist mit rund 64 000 Quadratmetern ein riesiges Projekt. Dass dabei Probleme auftauchen, ist normal. Zudem handelt es sich um ein Projekt zwischen zwei Staaten; diplomatische Komplikationen können dabei nicht immer vermieden werden.

Die Baustelle kam mehrere Monate lang sogar zum Stillstand. Hatten Sie da Angst um Ihr Projekt?
Abu Dhabi hat Dubai mit mehreren Milliarden Dollar aus der Finanzkrise geholfen, in der das Nachbarland 2009 steckte. Da haben sich die Prioritäten verschoben.

Sie haben weltweit mehr als 200 Bauwerke geschaffen. Kann man sagen, dass der Louvre Abu Dhabi Ihr Meisterwerk ist?
Bislang ja. Der Louvre Abu Dhabi ist ein einzigartiges Projekt, denn es reiht sich in einen städtebaulichen und kulturellen Kontext ein. Auf der Insel Saadiyat soll das Zayed National Museum entstehen und das Guggenheim Abu Dhabi seine Türen öffnen.

Sie haben ein Museum in der Wüste gebaut. Was haben Sie von der Wüste als Architekt gelernt?
Poesie, die Schönheit der Weite und des unendlichen Horizonts. Die Wahrnehmung von Sand, Wind und natürlich die Wahrnehmung des Lichts.

Das klotzige Bauen bedeutender Architekten für die Ölscheichs taucht immer wieder als Kritik auf. Was halten Sie dagegen?
Die Golfstaaten befinden sich in einer Art goldenem Zeitalter. Mit ihren Mitteln lassen sie dementsprechend bauen. Das war schon immer so. In der Antike haben sich die Reichen bedeutende Grabanlagen bauen lassen, Prinzen und Könige die größten Schlösser.

Sie haben viele Kulturzentren und Museen gebaut. Was bedeutet Kunst für Sie?
Architektur ist Kunst und unterscheidet sich von der Konstruktion. Kunst gibt dem Leben Tiefgang, erzeugt Emotionen und verschönert das Leben.

ZUR PERSON: Jean Nouvel wurde am 12. August 1945 als Sohn eines Lehrerehepaars geboren. Seinen Durchbruch schaffte er mit dem 1987 eröffneten Pariser Zentrum für arabische Kultur, dem "Institut du monde arabe". Nouvel wurde 2008 mit dem weltweit renommierten Pritzker-Preis ausgezeichnet.

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