Art Cologne

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Seit seinem Antritt vor sechs Jahren hatte Art-Cologne-Chef Daniel Hug (hier im Interview) sich eine stärkere Internationalisierung der Messe zum Ziel gemacht und dafür seine Kontakte als ehemaliger Galerist genutzt. Für die 48. Ausgabe reist jetzt eine Exkollegin aus Hugs früherer Heimatstadt Los Angeles an: Susanne Vielmetter, aus deren Galerie gerade mehrere Künstlerinnen und Künstler auf der New Yorker Whitney-Biennale vertreten sind (bis 25. Mai). Die geografische Nähe Kölns zu den Niederlanden schlägt sich auf der Ausstellerliste mit vier Händlern aus Amsterdam nieder. Hauser & Wirth, Sprüth Magers und Thaddaeus Ropac sind weitere international agierende, erstklassige Häuser, die in diesem Jahr an der Art Cologne teilnehmen.

Eine Idee Hugs war vor zwei Jahren, der traditionsreichen Messe für moderne und zeitgenössische Kunst die junge Messe Nada (kurz für New Art Dealers Alliance) an die Seite zu stellen. Die Non-Profit-Organisation Nada trat 2003 als junge Nebenmesse der Art Basel/Miami Beach erstmals auf, in New York findet sie parallel zur Frieze statt. Das Modell der zwei Messen unter einem Dach wurde allerdings für 2014 noch mal überarbeitet: Nada nimmt fortan als programmatischer Teil der Art Cologne teil und heißt jetzt "Collaborations", als eine Präsentation innerhalb der Ausstellungsfläche, die entweder ein Gruppenprojekt zeigt oder einen von zwei Galerien gemeinsam kuratierten Stand. Ziel dieser neuen Sektion ist, das Zusammenspiel zu fördern, sei es zwischen jungen und etablierten Galerien oder zwischen verschiedenen künstlerischen Stilen und Herangehensweisen.

Ein Format bleibt auf jeden Fall gleich: das der großen Skulptur im Außenraum. Sie soll von Ai Weiwei kommen, parallel zu dessen großer Einzelausstellung in Berlin. Und die "New Positions", Einzelpräsentationen vielversprechender junger Künstler, haben diesmal deutliche Malerei-Tendenzen.

Auf der Suche nach neuen Präsentationsformen und Vermittlungswegen ist die Art Cologne auch auf das gute alte Fernsehen gekommen, das heute natürlich immer auch einen Ableger im Internet hat. Ein Filmprogramm zeigt über die gesamte Messelaufzeit Kunstvideos. Übertragen wird das Programm einerseits in der Filmbar auf dem Messegelände, in einer Passage kurz vor dem Eintritt in die Messehallen. Und zeitgleich über den Fernsehsender Souvenirs from Earth, der per Kabel empfangen oder im Netz gestreamt werden kann. Das neunstündige Programm wurde von Alec Crichton, Kurator des Senders, zusammengestellt und besteht unter anderem aus alten Klassikern wie Allan Kaprows "Warm-Ups" von 1975 oder Dieter Meiers "Akrobatik I-IV-VI" sowie aus neueren Filmen von Mika Rottenberg ("Sneeze", 2012), Anri Sala, Johanna Billing oder dem immer wieder schönen Supermarktfilm „Die Jagd“ von Christian Jankowski.

Man muss als Referenz für die Filmbar vielleicht nicht gleich die berühmte von Gerry Schum in den 60er-Jahren in Köln gegründete Fernsehgalerie nennen, wie Daniel Hug das tut. Doch sicher ist: Als Zentrum für Medien und auch für Medienkunst hat die Stadt eine große Tradition. Hier anzuknüpfen kann nicht ganz falsch sein.

Art Cologne, fürs Publikum vom 10. bis 13. April geöffnet; Preview am 9. April; Informationen zum Filmprogramm unter: www.sfe.tv

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