Clash der Kunstmessen

Köln mit Berlin gegen Basel?

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Auf dem Kunstmessen-Markt geht es hoch her: In Düsseldorf formiert sich eine neue Messe mit Unterstützung aus Basel, was den deutschen Marktführer in Köln beunruhigt. Profitieren könnte Berlin

Daniel Hug sagt deutlich, was ihn ärgert: Im Moment die Art Basel. Und zwar ziemlich. Hug ist Chef der Art Cologne, der ältesten Kunstmesse der Welt. Früher war es auch mal die wichtigste Kunstmesse der Welt. Aber das ist nun schon seit 20 Jahren besagte Art Basel. Dabei - so die Überlieferung - wurde die einst nur gegründet, weil ein Schweizer Galerist zur Art Cologne nicht zugelassen wurde.

Die Art Basel - oder genauer die dahinter stehende Schweizer Messegesellschaft MCH Group - ist überaus erfolgreich. Nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit. Sie hat blühende Depandancen in Miami und Hongkong begründet und expandiert mit sogenannten Regionalmessen weiter. Nun sogar im Rheinland.

Wie vor einigen Wochen bekannt wurde, steigt MCH bei einer Kunstmesse ein, die diesen Herbst erstmals stattfinden soll. Das Projekt heißt Art Düsseldorf. "Der Schweizer Messegesellschaft geht es nur um kommerziellen Erfolg", wettert Hug - ein selbst in der Schweiz geborener Amerikaner - im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Die Schweizer machten sich überall breit, ohne dabei Verantwortung für eine bestimmte Region zu übernehmen. Und damit nicht genug: "Kunstmessen sollten den Kunstmarkt reflektieren, spiegeln - und nicht beeinflussen. Wenn die Schweizer nun aber überall in der Welt Ableger gründen, dann haben sie eine solche Macht über den Kunstmarkt, dass das viel regionale Kultur verdrängt. Das ist auch eine Form von Kolonialismus."

Diesen Vorwurf weisen die Schweizer natürlich zurück: Außer der Art Basel in Basel, in Miami Beach und in Hongkong seien keine weiteren Ableger geplant, und die Beteiligungen an Regionalmessen seien etwas ganz anderes, stellte MCH-Kommunikationschef Christian Jecker klar. "Die Art Düsseldorf wird eine eigenständige Messe bleiben."

Hug hat nun gerade selbst einen Deal eingefädelt: Die Art Cologne will zusammen mit Berliner Galeristen eine Kunstmesse in der Hauptstadt begründen - die Art Berlin. Dabei war eine Berliner Kunstmesse bisher ein Rivale, die Atmosphäre war gespannt. Noch im vergangenen Jahr kam es aus einem vergleichsweise nichtigen Anlass zum Streit: Es ging um eine Termin-Überschneidung von Art Cologne und Berliner Gallery Weekend.

Jetzt aber sucht Köln den Schulterschluss mit jener Stadt, in der es zwar sehr viele Künstler, aber ziemlich wenige Käufer gibt. Berlin sei der aktuelle Hotspot der Kunst, Köln das traditionelle Kunsthandelszentrum, sagte Kristian Jarmuschek, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG), am Dienstag. Wenn man das zusammenbringe, berge das Potenzial.

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