Interview

Art Cologne-Direktor Hug attackiert "Kolonialismus" der Schweizer Messegesellschaft

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Art-Cologne-Direktor Daniel Hug will nach Berlin expandieren - doch gleichzeitig entsteht ausgerechnet im nahen Düsseldorf Konkurrenz. Dabei mischt auch die Schweizer Messegesellschaft mit, die hinter der Art Basel steht. Auf sie ist Hug überhaupt nicht gut zu sprechen

In der deutschen Kunstmesse-Landschaft ist zurzeit einiges los. Die Art Cologne will in Berlin eine neue Messe aufbauen, gleichzeitig entsteht ein potenzieller Rivale in Düsseldorf. In einem Interview der Deutschen Presse-Agentur kommentiert Art Cologne-Direktor Daniel Hug die jüngsten Entwicklungen - und erhebt schwere Vorwürfe gegen die MCH Group, die Muttergesellschaft der führenden Kunstmesse Art Basel.

Herr Hug, die Art Cologne will mit Berliner Galeristen eine neue Kunstmesse in der Hauptstadt begründen, die Art Berlin. Züchten Sie sich da jetzt selbst einen Rivalen heran?
Daniel Hug: Nein. Die Berliner Messe wird im September stattfinden, also ein halbes Jahr nach der Art Cologne. Es ist also keine Konkurrenz für die Art Cologne. Zwei Messen kann Deutschland auf jeden Fall tragen.

Aber bisher hat Köln doch immer den Aufbau einer Berliner Messe gefürchtet.
Die Messen werden nicht identisch sein. Es wird keine Art Cologne Berlin. Aber mittlerweile müssen wir sehr vielen Galerien absagen, weil wir nicht so viel Platz haben. Das soll jetzt nicht heißen, dass alle Abgelehnten künftig nach Berlin gehen sollen, das sicher nicht. Aber es gibt schon jetzt Galerien hier bei der Art Cologne, die - hätten sie die Wahl - lieber nur in Berlin antreten würden. Da würden dann hier also wieder ein paar Plätze frei.

Und Sie könnten selbst mitbestimmen, wie sich die Dinge in Berlin entwickeln, das dürfte doch wohl auch ein Motiv sein, oder?
Wie es genau aussehen wird, ist noch in der Diskussion, aber ja, wir hätten natürlich einen Fuß in der Tür. Und Berlin ist natürlich relevant. Berlin hat die größte Dichte von Künstlern außerhalb von New York. Und es gibt sehr viele Galerien. Ich glaube zwar nicht, dass es 400 sind, wie öfters gesagt wird, aber so 250. Davon sind etwa 150 wirklich interessant. Mittlerweile haben auch viele Sammler aus dem Rheinland einen zweiten Wohnsitz in Berlin.

Sie sprechen von der berühmten rheinischen Sammlerszene, dem großen Potenzial der Art Cologne.
Ja. Berlin war dafür international immer besser vernetzt als wir. Beim Gallery Weekend und bei der Berliner Galerieplattform ABC war ich immer überrascht, wieviele internationale Sammler dahingehen. Das heißt: Wenn wir diese beiden Märkte zusammenschließen, können wir viel mehr gemeinsam schaffen.

Und gleichzeitig würden Sie der Art Düsseldorf etwas entgegensetzen, die dieses Jahr erstmals stattfinden soll.
Ich habe nichts gegen die Art Düsseldorf, ich glaube nicht, dass das Konkurrenz ist, da die Art Cologne im Frühjahr stattfindet und die Art Düsseldorf in Herbst. Ich bin nur kein großer Fan der Gesamtstrategie der Messe Schweiz.

Sie spielen darauf an, dass die Schweizer Messegesellschaft MCH Group, die auch die Art Basel veranstaltet, bei der neuen Kunstmesse Art Düsseldorf eingestiegen ist. Beunruhigt Sie das?
Naja, sie breiten sich halt immer weiter aus. Sie haben die Art Basel in Miami gegründet und die Art Basel in Hongkong, das machte auch noch Sinn. Aber wenn sie sich jetzt einen dritten Ableger aufbauen wollen, dann haben sie ein Problem. Dann hat man nämlich dauernd Art Basel.

Und diese Expansion wollen Sie stoppen?
Ich glaube nicht, dass die Art Cologne das allein stoppen kann. Aber wir müssen auch nicht mitspielen. Wir haben eine komplett andere Philosophie.

Was meinen Sie damit?
Warum gibt es die Art Cologne? Sie wurde 1967 von Galeristen gegründet, um den damals schwächelnden deutschen Kunstmarkt zu stützen. Und das ist immer noch unsere Aufgabe. Die Art Cologne existiert, um den deutschen Kunstmarkt zu fördern. Der Schweizer Messegesellschaft geht es dagegen nur um kommerziellen Erfolg, denn es gibt nicht viele schweizerische Galerien. Sie hat keine Verantwortung für eine bestimmte Region.

Geld machen wollen alle.
Sicher, aber es geht hier auch noch um etwas anderes. Kunstmessen sollten den Kunstmarkt reflektieren, spiegeln - und nicht beeinflussen. Wenn die Schweizer nun aber überall in der Welt Ableger gründen, dann haben sie eine solche Macht über den Kunstmarkt, dass das viel regionale Kultur verdrängt. Das ist auch eine Form von Kolonialismus. Kunst ist Vielfalt. Das darf man nicht zerstören.

ZUR PERSON: Daniel Hug (48) hat die Art Cologne wieder zum unbestrittenen deutschen Branchenführer gemacht. Als er sie 2009 übernahm, musste die weltweit älteste Kunstmesse um ihre Existenz bangen. Es kam damals überraschend, dass als neuer Direktor niemand aus dem rheinischen Dunstkreis ausgewählt wurde, sondern ein Außenseiter aus Los Angeles. Doch der Griff erwies sich als richtig: Der in der Schweiz geborene Amerikaner strukturierte die Messe neu, richtete sie internationaler aus und gewann nahezu alle namhaften abtrünnigen Aussteller zurück.

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