Interpol

Anna Wintour

Alex Katz porträtiert Vogue-Chefin

„Ein Porträt von Anna zu malen war furchtbar einfach.

von Daniel Völzke
erstellt am 10.03.2010
Alex Katz "Anna", 2009, © Alex Katz, courtesy Timothy Taylor Gallery, London
Alex Katz "Anna", 2009, © Alex Katz, courtesy Timothy Taylor Gallery, London

Ich konnte sie gar nicht verfehlen“, sagt Alex Katz, und es war sicher als Kompliment gemeint. Nur ist Anna Wintour, die mächtige Chefredakteurin der amerikanischen Modezeitschrift „Vogue“, auf diesem Bild gar nicht mal so gut getroffen. Der markante Pagenkopf – das kommt hin. Aber sonst?

Natürlich ist ein kleinlicher Realitätsabgleich einem Maler vom Range Katz’ nicht angemessen. Der Amerikaner findet in seinen Porträts zum Wesentlichen durch Reduzierung auf ein fast grafisches Level. Das passt zu Wintour, die sich mit strenger Frisur, einer Entourage aus Stylistinnen, die sie allmorgendlich schminken, und Sonnenbrille selbst als Ikone inszeniert. Als sie im Herbst dem Maler Modell saß, konnte Katz sie überreden, die Brille abzunehmen.

Und siehe da, die sagenumwobene Despotin,die als Vorlage zu Buch und zum Film „Der Teufel trägt Prada“ diente, taute auf: „Ich kann mir keine bessere Art vorstellen, den Nachmittag zu verbringen. Wir haben zwei Stunden geplaudert“, sagte sie später. Ab dem 15. Mai wird das Bild erstmalig in der National Portrait Gallery in London ausgestellt.