„Meine Werke sind zu teuer“
Ein Kunstunternehmer in Zeiten der Rezession: Takashi Murakami über Preisjustierungen, Entlassungen und den Markt für Merchandising
Mit Ihrer Firma Kaikai Kiki sind Sie Künstler und Unternehmer. Bei den Auktionen zeitgenössischer Kunst sind zuletzt 46 Prozent Ihrer Werke nicht verkauft worden. Hat die Krise Ihren Betrieb im gleichen Maß getroffen?
Die Krise erwischt mich nicht mit voller Wucht. Bis zum vorigen Jahr hat unser Unternehmen einen beeindruckenden Aufstieg erfahren. Sicherlich verläuft dieses Jahr ruhiger, aber es ist stabil – die Dinge laufen wieder so wie vor dem Boom. Wir versuchen weiterhin, einen Ausgleich zwischen Ausgaben und Einnahmen zu schaffen, und es gibt immer Käufer für meine Werke.
Waren auch Sie gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen, wie der britische Künstler Damien Hirst es tat?
Wir haben natürlich über die Organisation des Personals von Kaikai Kiki nachgedacht. In der Produktion hatten wir in diesem Jahr sehr viel zu tun, sodass diese Abteilung gut versorgt war. Im administrativen Bereich jedoch musste ich über Entlassungen verhandeln – im Februar sind einige Mitarbeiter gegangen. Doch seitdem sind auch wieder neue zu uns gestoßen, wodurch sich die Anzahl von 130 Mitarbeitern insgesamt nicht geändert hat.
2008 waren Sie einer der teuersten Künstler mit einem Rekord von 15 Millionen Dollar für „My Lonesome Cowboy“. Noch im vergangenen Februar rangierten Ihre Preise bei Gagosian in London zwischen 500 000 und zwei Millionen Dollar. Halten Sie diese Summen im Zusammenhang mit der Krise nicht für überzogen?
Ich denke, dass die Preise viel zu hoch waren und es auch noch immer sind. Für mich wie auch für die anderen Japaner ist es schwer nachvollziehbar, warum auf dem westlichen Kunstmarkt mit solch großen Summen umgegangen wird und wie die Geschäfte in diese Höhe getrieben werden konnten. Es stimmt, dass ich Teil dieser Welt bin – dank meiner Käufer kann ich arbeiten, und auch mein Unternehmen ist profitabel. Bei den großen, teuren Werken arbeite ich mit Galerien zusammen, die wiederum den Verkaufspreis bestimmen. Und je größer und ambitionierter eine Arbeit angelegt ist, desto teurer wird sie schließlich. Das ist ganz normal, wenn auch meine Preise mich selbst immer wieder verblüffen. Es ist jedoch wichtig, zu wissen, dass ich neben diesem großen Markt noch in einem anderen aktiv bin, dem der Massenproduktion und der Merchandisingartikel, dessen Preise absolut angemessen sind.
Als Damien Hirst im September 2008 mehr als 200 Werke bei Sotheby’s verkaufte, die speziell für die öffentliche Versteigerung geschaffen worden waren, ging das Gerücht um, dass Sie seinem Beispiel folgen würden. Haben Sie die Absicht, eine große Versteigerung zu veranstalten?
Als Damien Hirst das tat, landete er damit einen großen Coup. Ich werde es ihm nicht gleichtun. Denn da ich damit der Zweite wäre, interessiert es mich nicht. Er hat Roulette gespielt – und gewonnen, da er der Erste war. Das ist wie mit den Bergsteigern auf dem Mount Everest: Es wird der Name derer in Marmor gemeißelt, die den Berg als Erste erklommen haben, während die nachfolgenden Kletterer vergessen werden. Wenn ich eines Tages einen großen Coup landen wollen würde, wäre das mit etwas anderem. Zurzeit bin ich allerdings raus aus diesem Spiel, ich kümmere mich um meine Arbeit und meine neue Serie von Selbstporträts.
Wieso haben Sie sich dazu entschieden, sich das erste Mal selbst auf Ihren Bildern darzustellen?
Wenn ich über den Werdegang großer Künstler nachdenke und ihre Retrospektiven betrachte, stelle ich fest, dass die Selbstporträts einen bedeutenden Platz in ihrer Arbeit einnehmen. Sie sind es, die auf dem Cover der Kataloge landen. So etwas fehlt in meinem Werk noch, ich fand, es sei einfach Zeit, dass ich es mache.
Sie stellen sich karikaturistisch als alternden Künstler dar und thematisieren sogar auf einem der Bilder, dass die Japaner Ihre Arbeit geschmacklos finden. Wie kommen Sie zu dieser grotesken Selbstdarstellung?
Ich wollte die gleichen Codes verwenden wie für alle anderen Figuren, um vielleicht auf diese Weise die düsteren Aspekte meiner Persönlichkeit zu zeigen.
Damien Hirst ist ebenfalls karikiert worden. Ich neige dazu, negativen Kritiken keine Aufmerksamkeit zu schenken. Und ich habe nicht das Gefühl, an den Markt verkauft worden zu sein. Ich produziere an die 50 Werke im Jahr, dazu kommen andere Aktivitäten wie beispielsweise die Animationsfilme.
In Ihrer letzten Serie lächeln die Figuren immerzu. Finden Sie nicht, dass diese Bilder dem widersprechen, was die Welt heute erfährt? Haben die Menschen seit der Krise noch Lust auf diese Art von Darstellungen?
Im Fernsehen werden noch immer Sendungen ausgestrahlt, die zum Lachen bringen sollen. Das Leben ist hart genug, da muss man sich auch abreagieren können. Allerdings sind diese Bilder nicht so simpel. Manche sehen darin nur die lächelnden Figuren, doch es gibt auch eine Angst, die ich mit der Veränderung bestimmter Farbnuancen erzeugen will.
Ihre Ausstellung im Schloss Versailles, die für das nächste Jahr geplant ist, soll von Katar finanziert werden. Haben Sie schon mal an diesen oder einen anderen der persischen Golfstaaten verkauft – wie beispielsweise Abu Dhabi, das im Begriff ist, mit Guggenheim eine moderne Kunstsammlung zusammenzustellen?
Seltsamerweise befindet sich die Botschaft von Katar neben meinem Büro in Tokio! Bislang habe ich jedoch nicht an eines dieser Länder verkauft. Wir haben vielmehr für den asiatischen Markt gearbeitet. Der Persische Golf erscheint mir undurchschaubar, meine Galerien sprechen nicht sehr viel mit mir darüber. Aber ich denke, man sollte anfangen, sich damit zu befassen.
Aktuelle Ausstellung: „Takashi Murakami Paints Self-Portraits“,
Galerie Emmanuel Perrotin, Paris, bis 17. Oktober
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