48 Stunden BRÜSSEL
„Meine dritte Heimat“ nennt unsere Kolumnistin die belgische Hauptstadt, schließlich hat ihre Mutter dort gelebt. Der perfekte Anlass, um all die Lieblingsorte wieder aufzusuchen: Die Retrospektive von Felix Gonzalez-Torres im Wiels
Hotels
Eine super Lage hat das Hotel Amigo, ganz nah am Grand Place, der wirklich von einer märchenhaften Schönheit ist. Ich empfinde seinen Anblick immer als sehr romantisch. Das Amigo ist ein Hotel der Rocco-Forte-Gruppe, und so sieht es auch aus: halb modern. Und wie immer bei Rocco Forte stimmt nicht nur die Lage, sondern auch Service und Komfort (1/3 Rue de L’Amigo, Tel. +32/2/547 47 47).
Wer lieber authentisch belgischen Charme will (der aber nicht ganz so perfekt ist), sollte ins Le Dixseptième gehen (billiger, aber auch nahe dem Grand Place gelegen). In dem herrlichen Gebäude aus dem 17. Jahrhundert sind vor allem die großen Suiten, die nach flämischen Künstlern benannt wurden, wunderbar. Ich habe die Rubenssuite bewohnt und fand es herrlich (25, Rue de la Madeleine, Tel. +32/2/517 17 17).
In der preiswerteren Kategorie kann ich das minimalistische White Hotel direkt an der Avenue Louise empfehlen (Shopping! Galerien!). Beim Besuch dieses Hotels kann man etwas über junge belgische Designer lernen, mit deren Möbeln das Hotel eingerichtet wurde: Maarten Van Severen, Xavier Lust, Dirk Wynants. Und sich dann ihre Designgegenstände über die Website des Hotels nach Hause bestellen (Avenue Louise, 212, Tel. +32/2/644 29 29).
Das Gegenteil vom cleanen White Hotel ist das kleine, äußerst charmante Chambres en Ville. Es liegt nicht weit vom Place St. Boniface, der für seine Restaurants bekannt ist. Das Haus aus dem 19. Jahrhundert hat vier große Gästezimmer mit Namen wie Retour d’Afrique oder La Vie d’Artiste, die der Besitzer und Antiquitätensammler Philippe Guilmin wundervoll eingerichtet hat. Und, pst! Man kann gar nicht glauben, wie preiswert die Zimmer sind (Rue de Londres, 19 Tel. +32/2/512 92 90).
Frühstück
Bar du Matin: Wie der Name sagt, eine Bar für den Morgen. Angelehnt an das Art-déco-Erbe Brüssels, locken holzvertäfelte Wände, kurvige Linien der Theke und eine große Terrasse ein interessantes Publikum an (172 Chaussée d’Alsemberg, Tel. +32/2/537 71 59).
Lunch
Genau, was ich mittags brauche, gesund, leicht und schnell: Bei Chez Tan wird mit biologischen Zutaten gekocht, sie sollen sogar nach Feng-Shui-Regeln ausgewählt werden (95 Rue de l’Aqueduc, Tel. +32/2/537 87 87).
Wer lieber was „Ordentliches“ zu Mittag essen möchte, kann in das La Paix gehen, seit 1892 liegt diese seit damals fast unveränderte Brasserie vor einem ehemaligen Schlachthaus. Thema ist deshalb Fleisch. Mein Favorit: Filet américain préparé en salle! (49 Rue Ropsy-Chaudron, Tel. +32/2/523 09 58)
Teatime
Wunderbar am Place du Grand Sablon gelegen ist das Café Wittamer. Sich hier nicht den Appetit für das Abendessen zu verderben geht nur mit preußischer Disziplin! (6 Place du Grand Sablon, Tel. +32/2/512 37 42)
Dinner
Auch ganz nach meinem Geschmack ist die typisch belgische Brasserie Au Vieux Saint Martin. Hier bekommt man sehr gut zubereitete belgische Hausmannskost. Das Interieur ist noch leicht in den 70ern hängen geblieben, aber mit viel Charme. Zwei schöne Keramiken von Pierre Alechinsky hängen an der Wand, bitte Augen auf! (38 Place du Grand Sablon, Tel. +32/2/512 64 76)
Für Fischliebhaber (zu denen ich nicht zähle) ist das L’Ecailler du Palais Royal the place to go. Ich liebe die Atmosphäre des Lokals, mich erinnert es an Bentley’s Oyster Bar in London, ebenso klassisch und perfekt. Wenn ich Austern mögen würde, ich würde ständig an der todschicken Bar des L’Ecailler sitzen und sie schlürfen – so schlürfe ich nur Champagner (Bodenbroekstraat 18, Tel. +32/2/512 87 51).
Drinks
Den nightcap nimmt man entweder in der Le Bar Rouge (41 Rue du Pépin, Tel. +32/2/ 511 22 30), die meiner absoluten Lieblingsbar ähnelt, dem Mathis in Paris. Oder im fantastischen Original-Art-déco-Interieur der Bar L’Archiduc. Die Jazzmusik soll hier sehr gut sein, ich kann aber nur die Drinks beurteilen. Von Jazz habe ich keine Ahnung (6 Rue Antoine Dansaert, Tel. +32/2/512 06 52).
Galerien und Museen
Spätestens seit Barbara Gladstone aus New York hier eine Zweigstelle betreibt (12 Rue du Grand Cerf, Tel. +32/2/513 35 31) und auch Almine Rech aus Paris eine Filiale eröffnet hat (14 Rue de Praetere, Tel. +32/2/648 56 84), ist es quasi offiziell: Brüssel hat eine interessante Galerienszene. Platzhirsch ist immer noch Xavier Hufkens, der unter anderem Klassiker wie Louise Bourgeois und Willem de Kooning, aber auch heiße youngster wie Sterling Ruby und Thomas Houseago zeigt (Rue Saint-Georges 6/8, Tel. +32/2/639 67 30). Auch gut: Baronian Francey (Rue Isidore Verheyden 2, Tel. +32/2/512 92 95) und Rodolphe Janssen (Rue de Livourne 35, Tel. +32/2/538 08 18).
Das Horta Museum ist ein absolutes Gesamtkunstwerk des belgischen Jugendstils (25 Rue Américaine, Tel. +32/2/543 04 90). Und seit vorigem Jahr gibt es nun auch ein Magritte-Museum – in dem Haus, in dem er 24 Jahre gewohnt hat (135 Rue Esseghem, Tel. +32/2/428 26 26).
Und selbst wenn gerade keine Felix-Gonzalez-Torres-Ausstellung läuft, das Museum für zeitgenössische Kunst, Wiels, ist immer einen Besuch wert: In einer ehemaligen Brauerei von 1930 untergebracht, sind dort heute noch die riesigen Braukessel zu bewundern. Für mich die belgische Mischung schlechthin: Kunst und Bier (Av. Van Volxemlaan 354, Tel. +32/2/340 00 50).
Shopping
Unbedingt sollte man durch die Rue Haute und Rue Blaes mit ihren kleinen Antiquitätenläden flanieren und den Flohmarktklassiker am Place du Jeu de Balle (seit 1873, täglich geöffnet) besuchen.
Ich liebe außerdem den kleinen Laden Natan XIII, er hat eine Auswahl, die weltweit ihresgleichen sucht, sagenhafte Kaschmirschals, Taschen von Marie-Hélène de Taillac und Fellkobolde von Rick Owens (101 Rue Antoine Dansaert, Tel. +32/2/514 15 17). Ich bin absolute Blumenfanatikerin und nicht leicht zu beeindrucken, aber Sofia Coppola wusste genau, was sie tat, als sie den Floristen Thierry Boutemy beauftragte, ihren Film „Marie Antoinette“ auszustatten (404 Avenue Louise, Tel. +32/2/649 39 49).
Brüssel darf man nicht verlassen, ohne belgische Schokolade gekauft zu haben. Der Star unter den jüngeren Chocolatiers ist Pierre Marcolini (unter anderem: 39 Place du Grand Sablon, Tel. +32/2/513 17 83).
Das Beste zum Schluss
Im Greenwich spielte René Magritte täglich Schach – auch heute noch der Hauptzeitvertreib der Gäste. Eine herrliche Zeitreise – hier ein Bierchen zwischen den konzentrierten Spielern zu trinken. Aber es kommt noch besser: Die Pissoirs sind noch original anno 1910, die Kacheln, die Wasserhähne, die Klos, die Becken. Sie sehen, ich gerate ins Schwärmen. Leider habe ich gehört, der Laden sei gerade verkauft worden. Nun bete ich, dass er nicht renoviert wird (7 Rue des Chartreux, Tel. +32/2/ 511 41 67).




