Watchlist

Michael Hansmeyer

So paradox es klingt: Michael Hansmeyer entwirft kalkulierte Fantasiegebilde.

von Jana J. Bach
20.01.2010

Weder Pinsel noch Leinwand sind sein Handwerkszeug, sondern Computer. Aus einfachen geometrischen Figuren – als Ausgangskörper benutzt der 36-Jährige häufig einen Würfel – entstehen durch ein fortlaufendes Teilungsverfahren kristalline 3-D-Modelle, die zugleich kalt und lebendig wirken. „Das Prinzip lässt sich gut mit der Zellteilung bei organischen Abläufen vergleichen“, so Hansmeyer.
Der Künstler erweckt einen Deus ex Machina – der Vorgang ist kontrolliert, das tatsächliche Produkt, bis ins Detail nur vom Prozessor errechnet, bleibt auch für den Schöpfer eine Überraschung. In einem Video, das bis Mitte Januar in der Berliner Galerie Smallplace zu sehen war, konnte man verfolgen, wie aus elementaren Körpern feingliedrige Skulpturen erwuchsen. Auf Papier gedruckt, verlieren die Objekte an Plastizität, doch weniger rätselhaft werden sie nicht.
Irgendwie mag sich das menschliche Gehirn mit dem hansmeyerschen Paradoxon nicht arrangieren. Seine Arbeiten lösen ein Verlangen aus, etwas in ihnen wiedererkennen zu müssen. Schachfigur, Origami, Seestern oder „Transformers“-Actionheld? Alles passt und trifft knapp daneben.
Hansmeyer ist immer auf der Suche nach einem Optimum, der kürzesten Strecke zwischen A und B. Das gilt auch, wenn der studierte Architekt, der an der Technischen Hochschule Zürich lehrt, Wohnlandschaften konzipiert. Was der Künstler Hansmeyer schätzt, ist die Freiheit, nicht funktionell, nicht realisierbar arbeiten zu müssen. Auch Null und Eins sind zur Schönheit fähig.

Michael Hansmeyer wird vertreten von Smallplace, Berlin