Watchlist

Die Monopol- Watchlist

Vier Künstler, die uns aufgefallen sind

von Von Jens Hinrichsen
01.04.2010

Helge Hommes

Warum gehen wir in den Wald? Um uns zu verlieren und uns selbst zu finden. Jeder Maler, der Bäume malt, hat natürlich die alten, symbolkräftigen Eichen von Caspar David Friedrich im Sinn. Aber letztlich hat Helge Hommes einen sehr direkten Zugang zu den Bäumen. Knorrige Stämme, dicke und dünne Verästelungen, schwarz auf weißen Hintergrund gelegt: Hier malt ein Waldfetischist.
Die Liebe zum Baum, dem zentralen Bildgegenstand des in Aachen lebenden Autodidakten, hat zu ganz unterschiedlichen Malzyklen geführt. Interessanterweise ist nicht ein Darstellungsmodus im Verlauf der künstlerischen Entwicklung aus dem anderen hervorgewachsen, vielmehr entstandendie stilistisch voneinander abweichenden Serien parallel. Es existieren fotorealistische Ansichten, in denen Bäume in Natur- und Stadträume eingebunden sind, aber eben auch stark reduzierte Kompositionen, bei denen Hommes die schwarze Ölfarbe derart dick auf die Leinwand schichtete, dass schrundige, rissige Oberflächen entstanden.
Es geht Helge Hommes in diesen Bildern weniger darum, die Materialität von Rinde zu imitieren, als darum, das Prinzip des Wachsens in allen bildnerischen Dimensionen, eben auch in der dritten, nachzuvollziehen. Die schwarzen Malspuren überkreuzen sich zum geheimnisvollen Schattenspiel, eine Linie verzweigt sich in die andere, bis die Äste in hauchdünne Fäden münden – eine zartere, gegenstandsgebundenere Version dessen, was Robert Motherwell und Franz Kline in den 50er-Jahren auf die Leinwand wuchteten.

Helge Hommes wird vertreten von der Galerie Freitag 18.30, Aachen