Berliner Stadtschloss
Baubeginn auf 2014 verschoben
Das Gerangel um den Wiederaufbau des historischen Berliner Stadtschlosses geht in eine neue Runde. Am Montag beschloss das Kabinett unter Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, den Baubeginn um drei Jahre, auf 2014, zu verschieben.
„Die Entscheidung macht deutlich: Es sind ernste Zeiten, es sind schwierige Zeiten. Wir können uns nicht mehr all das, was wir uns wünschen, leisten“, begründete die Kanzlerin die Sparmaßnahmen.
Das Stadtschloss im Herzen Berlins war zu DDR-Zeiten gesprengt und durch den Palast der Republik ersetzt worden. Das als Parlamentssitz und Kulturhaus genutzte und bei den DDR-Bürgern sehr beliebte Gebäude wurde 2008 trotz vorheriger Asbest-Sanierung endgültig abgerissen. Stattdessen beschloss man die Rekonstruktion der einstigen Preußen-Residenz, hinter dessen Fassade das sogenannte „Humboldt-Forum“ für Kunst und Wissenschaft entstehen sollte. 440 der auf insgesamt 552 Millionen Euro veranschlagten Gesamtsumme hätte der Bund tragen müssen – das wurde ihm nun zu teuer.
„Die großartige Idee, auf dem wichtigsten Platz der Hauptstadt die außereuropäischen Kulturen zu präsentieren, wird jetzt kurzsichtiger Sparsymbolik geopfert.“ beklagte Bürgermeister Klaus Wowereit und sprach zudem von einem „Armutszeugnis für Schwarz-Gelb“. Außerdem sei völlig unklar, wie die Zwangspause in die Praxis umgesetzt werden sollte, da die Vorabeiten bereits so weit vorangeschritten seien, dass ein völliger Baustopp von Experten für unmöglich gehalten wird. Darüber hinaus forderte Kultursstaatssekretär André Schmitz, der Bund müsse dafür das „völlig marode Museum“ im Stadtteil Dahlem sanieren.
Gegner des
Schlossneubaus hingegen hoffen nun, das Projekt komplett kippen zu
können, dieser Meinung hatten sich einer Forsa-Umfrage zufolge auch 80
Prozent der Berliner angeschlossen. Bereits im März letzten Jahres hatte
Monopol deshalb als Rettungsversuch gefordert: Kunst am Bau fürs
Stadtschloss! Jonathan Meese, Christoph Schlingensief und andere
Vertreter der Kunstszene legten daraufhin Entwürfe zur Umgestaltung der
Preußenattrappe vor (siehe Heft 3/2009).
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