Vorstudien

Taucht Dr.Gachet in Seattle wieder auf? Microsoft-Gründer Paul Allen zeigt seine Kunstsammlung mit kleinen Sensationen

Mit einem geschätzten Privatvermögen von 21 Milliarden Dollar kann man sich eine Menge Hobbies leisten.

von Stefan Koldehoff
01.02.2006

Die von Paul G. Allen sind Musik und Kunst. Deshalb hat sich der alleinstehende Unternehmer, der 1975 zusammen mit seinem Freund Bill in New Mexico ein kleines Unternehmen namens Microsoft gegründet hatte, in Seattle zunächst von Frank Gehry ein Museum für Rock und Pop bauen lassen, das „Experience Music Project“, kurz EMP. Nebenbei kauft der 53jährige Allen gern Kunst aus Klassischer Moderne und Gegenwart. 2001 erwarb er bei Phillips eine „Lesende“ von Renoir für 13,2 Millionen Dollar. Im November 2004 bezahlte er für Gauguins tahitianisches Familienbild „Maternité II“ 39,2 Millionen Dollar. Mark Rothkos im Mai 2000 für 14,3 Millionen Dollar verkauftes Gemälde „Gelb über Violett“ gehört ebenso zur Sammlung wie Eric Fischls 2004 gemaltes Tableau „Krefeld Project, Bedroom Scene #6“. Weil nun das eine Hobby, sein Musikmuseum, seit der Eröffnung nicht so viele Besucher angezogen hat wie erwartet, versucht Allen ab dem Frühjahr mit der Kunst, für Zulauf zu sorgen. Ab dem 8. April wird im EMP zum ersten Mal die „Paul G. Allen Family Collection“ zu sehen sein. Welche Werke dazugehören, verrät die PR-Agentur nur tröpfchenweise. Neben den Ankäufen der vergangenen Jahre zählen dazu Gemälde und Fotografien von Canaletto und Turner, Cézanne und Manet, Gerhard Richter und Willem de Kooning, Nan Goldin, Thomas Struth und Kenji Yanobe. Eine kleine Sensation ist das Wiederauftauchen eines der Schlüsselwerke des Post-Impressionismus. Mitte der neunziger Jahre erwarb Allen von Heinz Berggruen das Bild „Les Poseuses“ von Georges Seurat. Angekündigt, aber noch nicht enthüllt, ist auch ein Hauptwerk von Vincent van Gogh. Kenner hoffen nun auf das verschwundene Weltrekord- Porträt des Dr. Gachet. Tatsächlich aber hat Allen wohl eher van Goghs letztes Selbstbildnis gekauft. 1998 erzielte es bei Christie’s in New York 65 Millionen Dollar.

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