Eine Hymne für die Berlin Biennale
Jeremy Deller, der Turner-Preisträger von 2004, hat einen Titelsong für die 4.
Berlin- Biennale in Auftrag gegeben – bei einer Klezmer- Band aus der Berliner Auguststraße.
Frank Zappa hat gesagt: Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen. Und Sie machen Kunst über Musik?
Ich mache Kunst über Musik, und manchmal ist das Endergebnis selbst wieder ein Stück Musik. Im Fall der Berlin Biennale hatte ich zum Beispiel vor, eine CD mit der „Music made in Auguststraße“ von verschiedenen Gruppen und Menschen machen zu können.
Wie ist denn das Casting ausgefallen, daß der Soundtrack nun allein von einer Band kommt: Klezmer chidesch?
Ich habe sie als Musiker absolut lieben gelernt, mit ihrer Kameradschaft untereinander. In ihrem Proberaum hielten sie ein kleines Konzert für mich ab, und ich entschied, einfach mit ihnen zu arbeiten. Klezmer hat seine Wurzeln schließlich in so vielen unterschiedlichen Musikrichtungen. Außerdem benutzen sie den Dulcimer, mein Lieblingsinstrument. Ich bat sie, einen Titelsong für die Biennale zu schreiben, und filmte sie dann beim Einspielen. Also haben wir ein Performance- Video und auch ein neues Stück Musik.
Interessiert Sie Musik vor allem als soziale Plattform oder auch noch im herkömmlichen Sinne als Kunstgattung?
Es interessiert mich beides, denn wo Musik gut ist, dort können die beiden Punkte nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Ich interessiere mich dafür, was passiert, wenn Gruppen zusammen musizieren – sowohl was die Beziehungen untereinander angeht als auch in ihrem Verhältnis zum Publikum.
Manchmal entwickelt Ihre Arbeit eine sehr absurde Komik, gleichzeitig machen Sie sich nie lustig über die Teilnehmer. Wie gewinnen Sie die Mitmacher für Ihre Projekte?
Es stimmt, daß einige meiner Projekte eine gewisse Absurdität entwickeln. Bei der Bergarbeiter-Blaskapelle, die Acid-House- Stücke eingespielt hat, ahnte man schon zu Beginn, daß etwas Komisches, Absurdes entstehen würde. Trotzdem haben die Musiker es mit ihrer Ernsthaftigkeit geschafft, diese relativ lächerliche Idee umzusetzen in ein absolut schlüssiges Livekonzert. Meine Methode ist, meine Ideen und Intentionen hundertprozentig ehrlich mitzuteilen – auch das, was ich mir von dem Werk erhoffe. Nur mit dieser Vertrauenswürdigkeit erzielt man die Ergebnisse, die man will.
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