Meine Top Ten

Ateliertür auf, Musik an

Welche Songs hören Künstler im Studio? Hitlisten von Annika Ström, Frank Nitsche, Eberhard Havekost, Yoko Ono, Sarah Morris, Franz Ackermann, Gerwald Rockenschaub, Rafal Bujnowski und Tim Eitel

01.02.2006

Annika Ström
Für manche Platten bin ich zu sentimental

Das Radio läuft fast nie im Atelier, es wird nur angeschaltet, wenn ich richtig müde bin und weiterkommen muß. Dann höre ich mir irgendeinen schrekklichen Sender an. Weil ich mich dann aber überhaupt nicht konzentrieren kann, muß ich entweder mit der Arbeit beginnen und das Radio anschalten oder das Studio verlassen, weil die Kanäle unausstehlich sind. Eine gute Technik der Selbstdisziplinierung. Wenn ich allerdings male, dann höre ich Musik, aber selten Radio. Im Augenblick mag ich Bonnie Prince Billy, zeitgenössische schwedische Folklore, das Art Critic Orchestra, Magnetic Fields, Ron Sexsmith, Lisa Ekdahl, Jan Johanssson, Monica Zetterlund, Devendra Banhart, Johnny Cash. Die letzte Platte, die ich gekauft habe, stammt von Madeleine Peyroux, daraufist eine großartige Coverversion von Dylans „You’re gonna make me lonesome“. Ich bin eine aufmerksame Zuhörerin und setze mich gern hin, um Musik zu hören – das bin ich den Musikern schuldig. Ich brauche Musik nicht als Hintergrund. Musik beeinflußt mich und meine Arbeit definitiv, weil ich ein sentimentaler Mensch bin. Es gibt viele Platten, die ich nur manchmal hören kann, weil sie mich zu sehr zum Weinen bringen, und dazu habe ich wirklich keine Zeit. Ich muß in einer richtig arroganten und egoistischen Stimmung sein, wenn ich manche Platten höre. In letzter Zeit habe ich Krähen und Eulen gemalt, und die Musik, die ich dazu aufgelegt habe, hat das traurige Bild dieser armen Tiere verstärkt – also beeinflußt Musik ganz sicher mein Werk. Ich produziere deshalb auchmeinen eigenen Soundtrack. Musik ist eine Inspiration für mich. Gute Musik erinnert mich an diese Soundkarte, die wir anscheinend alle in uns selbst installiert haben. Es inspiriert mich, diese Emotion in visuelle Kunst einfließen zu lassen.

Annika Ström, geboren 1964 im schwedischen Helsingborg, untersucht in ihren Zeichnungen, Videos, Fotografien, Kurzfilmen und Soundtracks zwischenmenschliche und gesellschaftliche Beziehungen und ihre Rolle als Künstlerin. Zuletzt begab sie sich auf die Suche nach dem freundlichsten Künstler der Welt und schrieb ihrer fiktiven Freundin Anna darüber Briefe. Und manchmal gibt die in London und Berlin lebende Künstlerin ganz wunderbare Konzerte. Sie wird von der Galerie c/o Atle Gerhardsen, Berlin, und Casey Kaplan, New York, vertreten.

Top Ten von Annika Ström

Jenny Wilson: Love and youth
Anthony & the Johnsons: I am a bird now
Ane Brun: The temporary dive Stina
Nordenstam: The world is saved
Devendra Banhardt: Cripple crow
Smog: Dongs for sevotion
Johanna Newson
: Sprout and the bean
Bonnie Prince Billy
: Greatest palace music
Ron Sexsmith
: Whereabouts
Aria Kalaniemi & Sven Ahlbäck
: Luftstråk

Frank Nitsche
Musik ist Musik und Malerei ist Malerei

Frank Nitsche, geboren 1964 im sächsischen Görlitz, hat von Anfang an einen sehr eigenen malerischen Kosmos entworfen, in dem er musikalische Rhythmen in kristalline, splitternde Abstraktion zu übersetzen verstand und auf seinen Leinwänden Monumente kalter Sinnlichkeit entwarf. Frank Nitsche wird unter anderem von der Galerie Gebrüder Lehmann in Dresden vertreten.

Top Ten von Frank Nitsche

Isis: Panopticon
Isis: Oceanic
Crowbar: Sonic excess in its purest form
John Frusciante: Shadows collide with people
Sonic Youth: Goo
Radiohead: Ok computer
Spectre: The second coming
Venetian Snares: Rossz czillag allat azületett
Squarepusher: Ultravisitor
AFX: Hangable auto bulb


Eberhard Havekost
Dies ist keine Hitliste

1. Prefuse 73 Extinguished outtakes, alternate takes & beats from one word extinguisher, Warp 2003
2. Dabrye Instrmntl, Eastern Developments/hefty 2002
3. Dabrye One/Three, Ghostly international 2001
4. The Exposures Lost recordings 2000 – 2004, Eastern Developments 2005, Executive Producer Prefuse 73
5. Tadd Mullinix Winking makes a face, Ghostly International 2000
6. Venetian Snares Higginns ultra low track, Glue Funk Hits 1972-2006, Planet Mu 2002
7. Daedalus Exquisite corpse, Ninja Tune 2005
8. Busdriver Fear of a black tangent, Ninja Tune 2005
9. Antipop Consortium Arrythmia, Warp 2002
10. Luke Vibert Lover’s acid, Planet Mu 2005

Ateliertür auf – Musik an – Musik aus – Ateliertür zu. Dann betreibe ich mit Noizecreator noch zusammen das Label Bohnerwachs Tonträger sowie musikalische Zusammenarbeit als „Creme“.

Eberhard Havekost, geboren 1967 in Dresden, läßt sich von Medienbildern inspirieren und malt unterkühlte Porträts von Modellschönheiten, frostige Perspektiven auf urbane Architektur und immer wieder Autos, Wohnwagen und Flugzeuge. Malerei, sagt Havekost, sei die attraktivste Form der Entfernung von der Realität. Er wird von der Galerie Gebrüder Lehmann in Dresden vertreten. Seine Ausstellung „Harmonie II“ ist noch bis zum 29. Mai im Stedelijk Museum CS in Amsterdam zu sehen.


Yoko Ono
Hör auf das Schlagen deines Herzens

Als ich vier, fünf Jahre alt war, schickte mich meine Mutter in Tokio zur musikalischen Früherziehung. Ich habe Noten gelernt und Harmonielehre. Die bildende Kunst kam erst viel später dazu. Doch von da an habe ich immer beides gemacht, bis heute. Aber es sind unterschiedliche Erfahrungen: Kunst ist für mich wie ein Gedanke, die Musik wie ein Dialog. Ich halte Musik und Kunst deshalb voneinander getrennt. Wenn man eine Installation mit Musik beschallt, kann das nämlich dümmlich wirken. Meine Installationen selbst sind Musik. Denn es gibt in der Welt viel mehr Töne, als sie die begrenzte Klaviatur eines Pianos hergibt. Ich komponiere natürlich auch am Klavier. Aber es gibt Klänge, die Grashüpfer hören können oder kleine Kinder, wir aber nicht. „Hör auf das Schlagen deines Herzens“, heißt es in meiner Installation „Rising“. Der Herzschlag ist wie der Takt unseres Lebens, wie unsere Trommel. Und wenn ich mit einem anderen Menschen spreche, dann schlagen unsere Herzen im gleichen Rhythmus. Die ganze Welt ist also Musik. Wenn ich arbeite, höre ich aber keine Musik. Ich arbeite in Stille.

Yoko Ono, geboren 1933 in Tokio, gehörte in den sechziger Jahren als Aktionskünstlerin und Experimentalfilmerin zu den interessantesten Figuren der New Yorker Fluxus-Szene. Mit ihrem späteren Ehemann John Lennon nahm sie in den siebziger Jahren Platten wie „Double Fantasy“ auf. Dabei nahmen sich ihre Kompositionen immer experimentell aus: Mit John Cage unternahm Ono sogar 1952 eine Tournee durch Japan. Zuletzt installierte Yoko Ono neuere Arbeiten in der Berliner Galerie Davide Di Maggio.


Sarah Morris
Im Studio ist es meistens still

Ich höre vor allem dann Musik, wenn ich mit dem Auto quer durch die Stadt zu meinem Studio fahre. Im Studio selbst dagegen ist es meist still. Wenn doch mal Musik läuft, dann höchstwahrscheinlich einer der folgenden Songs:

Top Ten von Sarah Morris

Electric Light Orchestra: Telephone line
Steely Dan: Do it again
New Order: Temptation
Afrika Bambaataa: Planet rock
Modern Lovers: Hospital
Mariah Carey: It's like that
Run DMC: It's like that
R. Kelly: Trapped in a closet
System of a Down: Hypnotize
She Wants Revenge: Tear you apart

Sarah Morris, geboren 1967 in Kent, lebt und arbeitet in New York. Obwohl sie abstrakt sind, scheint die Stadt selbst Einzug in die kühl konstruierten Bilder der Künstlerin zu halten: An verschachtelte Verkehrssysteme oder Häuserfassaden erinnern ihre hochglänzenden, farbigen Gitter- und Rasterstrukturen. Gleichzeitig sind filmische Adaptionen u.a. von New York und Los Angeles entstanden. Sie wird von den Galerien White Cube (London), Friedrich Petzel (New York) und Max Hetzler (Berlin) vertreten.


Franz Ackermann
Walk free – feel free

I’ve gotta go, I’ve gotta go, I have got to GO. Gluecifer. I never fly S&M airlines again. NOFX. I’m gettin’away, escapin’today. I’ve got to ride forever on this nowheretrain. The Raymen. here we go again on a 747. Motörhead. I’ve been everywhere. Johnny Cash. It’s a long way back. Ramones. B.I.T. – back in town. Cosmic Psychos. take me back to Babylon. Lurkers. freeman say walk away. Leatherface. come on take a ride with me. Therapy? no sleep’ till Brooklyn. Beastie Boys. walk free – feel free. Exit Condition. I took the wild, hard ride. Angry Samoans. sad to say, I must be on my way, I’m going far away. The Pogues. won’t you be here when the morning comes?! You won’t be here when the morning comes. Antisseen. I’ve got to get away, don’t wonna stay. Chemical People. I can’t slow down, I got a date with the devil. Poison Idea. heut’ komm ich, heut geh’ ich auch und morgen ist es dann vorbei. Nena. now I missed the train to Boston. 88 Finger Louie. reach out to find something, that cannot be found. Ultraman. we gotta get out of this place, i fit’s the last thing we ever do. Jellow Biafra. hey, ho, let’s go! Ramones. runnin’ around like never before. rock‘n’roll deliver me from nowhere. Bruce Springsteen. I got to go somewhere, I got to find someone, I got to do something. Verbal Abuse. my soul has lost, has lost it’s way, it’s been livin’in this lost highway. Angry Samoans. Du bist nicht weit gekommen, Du läufst weiter davon. Die Toten Hosen. run like hell. Peter and the Test Tube Babies. you can run all your life but not go anywhere. Social Distortion. roll die Seekarten aus. Slime. Sing a travelin’ song. Johnny Cash. How long „Buck“. Skip James. Meet you in the subway. Chrome. Hard travelin’. Woody Guthrie. If I had my way I’d tear the building down. Blind Willie Johnson. Get out of here pretty girl. Wild Billy Childish. We roll and roll, we roll and roll, help me roll away the stone. Pink Floyd. How Many More Years. Howlin’ Wolf. Ein Scherz im Labyrinth der Unvernunft macht uns gesund. Backyard Babies. Have you heard the news? The dead walk. Wrong. My smile is stuck. I cannot go back t’yer Frownland. My spirit’s made up of the moon, ‘n all my eye can see. I cannot go back to yer land of gloom. Where black jagged shadows remind me of the comin’ of yer doom. I want my own land. Take my hand n’come with me. Captain Beefheart. Fat Old Sun. When that fat old sun in the sky is falling. Summer evening birds are calling. Summer sunday and a year. The sound of music in my ears. Distant bells, new mown grass smells so sweet. By the river holding hands. Roll me up and lay me down.

Franz Ackermann, geboren 1964 in Neumarkt St. Veit, ist ein Reisender. Seine Beobachtungen fließen ebenso wie gesellschaftliche und politische Fragestellungen in kleinformatige „Mental Maps“ und große, manchmal raumgreifende Gemälde und Environments ein. Der Ort wird dabei zum Auslöser facettenreicher Kartographien von modernen Metropolen. Der in Berlin und Karlsruhe lebende Künstler wird von der Berliner Galerie neugerriemschneider vertreten und stellt aktuell im Mori Art Museum in Tokio, der Villa Manin in Triest und dem Goethe-Institut in Rio aus.


Gerwald Rockenschaub
Verschont mich mit DJs in Galerien

Ich höre selten Musik im Atelier. Ich arbeite meist am Computer, und nur wenn ich etwas mache, das wenig Konzentration erfordert, dann läuft Musik. Ich höre elektronische Musik, am liebsten Minimal Techno, Musik also, die ich selbst als DJ aufgelegt habe. Meine künstlerischen Arbeiten sind ja auch eher minimalistisch. Handgemachte Musik interessiert mich nicht, das Gitarrenband- Revival zum Beispiel. Aufgrund der phantastischen Möglichkeiten, Musik digital zu erzeugen, finde ich heute „Handgemachtes“ eher überflüssig. Eigentlich habe ich immer die Musik der Zeit gehört. Als Gymnasiast die Beatles, die Stones und The Who und später dann Disco, Punk, New Wave, Rap, House, teilweise Hiphop, Techno, Drum’n’Bass. Das Interesse an der Musik erwachte in mir früher als das an der bildenden Kunst, ich habe als Kind auch Instrumente gelernt. Musik funktioniert zeitlich anders als Kunst, die Kommunikation verläuft anders, das interessiert mich daran: Musik ist ein schnelleres Medium. Das Feedback ist im Club unmittelbarer. Wenn ich auflege, dann tanzen die Leute – oder eben nicht. Wenn ich in einen Club gehe, will ich nicht reflektieren. Ich sehe das unkompliziert: Kunst betreibt man in der Galenierten Bildern bekannt. Heute entstehen aus aufblasbaren PVC-Objekten, Plexiglasscheiben oder Stegkonstruktionen komplexe Rauminterventionen. Der in Berlin lebende Künstler wird u. a. von den Galerien Mehdi Chouakri in Berlin, Eva Presenhuber in Zürich und Thaddaeus Ropac (Salzburg/ Paris) vertreten. Rockenschaub ist in der Ausstellung „Classical Modern“ vertreten, die vom 12. April bis 17. September 2006 bei Daimler Chrysler Contemporary in Berlin gezeigt wird. rie und Musik an den Orten, wo sie hingehört. Anfang der neunziger Jahre habe ich auch Musik in Galerien und Museen gemacht, als noch niemand wußte, was DJing ist. Als dieses Crossover dann überhand nahm und schick wurde, habe ich damit aufgehört. Ich fand die professionelle Clubszene, in die ich in Wien in den neunziger Jahren als Clubhost (the audioroom) und DJ involviert war, ohnehin viel interessanter. Wenn ich jetzt wie bei den Weihnachtspartys von John Armleder in Genf noch Musik mache, sind das eher Laptop- Performances meiner eigenen Kompositionen. Ich produziere alle zwei, drei Jahre eine CD. Dafür und auch für das Plattenauflegen habe ich mir immer wieder Auszeiten von meiner Ausstellungstätigkeit genommen. Man kann nun einmal nicht zu achtzig Prozent bildender Künstler sein und zu zwanzig Prozent Musiker oder umgekehrt. Wenn man das eine oder das andere auf höchstem professionellen Niveau betreiben will, muß man hundert Prozent geben. Es war mir allerdings immer klar, daß ich in erster Linie bildender Künstler bin.

Gerwald Rockenschaub, geboren 1952 in Wien, zählt zu den wichtigsten Künstlern Österreichs. Der überzeugte Autodidakt wurde zu Beginn der achtziger Jahre mit kleinen, kühl komponierten Bildern bekannt. Heute entstehen aus aufblasbaren PVC-Objekten,Plexiglasscheiben oder Stegkonstruktionen komplexe Rauminterventionen. Der in Berlin lebende Künstler wird u. a. von den Galerien Mehdi Chouakri in Berlin, Eva Presenhuber in Zürich und Thaddaeus Ropac (Salzburg/ Paris) vertreten. Rockenschaub ist in der Ausstellung „Classical Modern“ vertreten, die vom 12. April bis 17. September 2006 bei Daimler Chrysler Contemporary in Berlin gezeigt
wird.

Top Ten von Gerwald Rockenschaub

Alarm Will Sound performs
Aphex Twin:
Acoustica (Cantaloupe Music)
Ark: Caliente (Perlon)
Audion: Suckfish (Spectral Sound/Ghostly International)
Susanne Brokesch: Emerald stars (Chicks On Speed Records)
Dandy Jack And The Junction SM: Los Siete Castigos (Perlon)
Dapayk & Padberg: Close up (Mo’s Ferry Prod.)
DJ Koze: Kosi comes around (Kompakt)
Jay Haze: Love for a strange world (Kitty- Yo)
MU: Out of breach (Output Recordings)
Oasis (Omar S, Shadow Ray): Collaborating (FXHE)


Rafal Bujnowski
Es läßt sich gut arbeiten bei Filmmusik

In meinem Atelier steht ein tragbares Radio von Sony oder Sanyo, ich bin mir der Marke nicht ganz sicher, weil es so verdreckt ist. Man kann mit ihm auch CDs hören. Meistens läuft aber Radio, vielleicht deswegen, weil es weniger absorbierend wirkt, und außerdem ist manchmal der Mix aus aufgeblasener Publizistik, politischen News und blechernder Volksmusik interessant. Es läßt sich auch gut arbeiten bei Filmmusik. Ich meine hier nicht die separierte Tonspur, sondern die volle Vertonung eines Filmes ohne Bild. Ich erstelle meine Top-Ten- Liste nicht. Es wäre mir zu emotional und mit Sicherheit für andere völlig unverständlich. Zum Beispiel die Gruppe Swietlicki, also die offiziellen, polnischen Salonpoeten, die ihre Gedichte in Begleitung einer Rockband vortragen. Selbstverständlich habe ich wie jedermann mehr als zehn Lieblingsalben. Die meistabgenutzten sind wohl zwei Platten von Salif Keit und Federico Galliano with african divas. Ich mag sie deswegen, weil ich den Rhythmus intuitiv auswähle, oder vielleicht, weil die afro-europäische Melange sehr anziehend wirkt. Genauso ist es auch im Bertolucci-Film „Besieged“ (deutscher Filmtitel: „Shandurai und der Klavierspieler“). Wunderschöner Film. Auch ohne Bild.

Rafal Bujnowski, geboren 1974 in Krakau, spielt in seinen konzeptuell angelegten Gemälden, Projekten, Videos und Objekten mit den Erwartungen an die Kunst und den Regeln im Kunstbetrieb. Mit scheinbarer Ahnungslosigkeit analysiert er überkommene Eigenschaften von Kunst wie Genialität, Einzigartigkeit oder Gedankenschwere. Die Band Swietlicki ist auch auf dem Sampler vertreten, der von der Galerie Raster, Warschau, zu Ehren des Poeten des Sozialismus, Wladyslaw Broniewski, herausgegeben wurde – in dessen Booklet Arbeiten von Wilhelm Sasnal, Zbigniew Rogalski und Rafal Bujnowski abgebildet sind. Erhältlich über www.raster.art.pl


Tim Eitel
Ich höre Gottfried Benn im Original

Beim Thema Künstler und Musik muß ich an Nick Noltes grandiose Performance als Lionel Dobie in der ersten Episode von „New York Stories“ denken. Das ist ein Film, der den ultimativen Einblick in die Realität der Künstlerpsyche gibt – wie Dobie mit Farbe beschmiert, zottelbärtig in einen Sessel gesunken, mit offenem Mund eine gewaltige Leinwand anstarrt, während im Hintergrund Procol Harums „A Whiter Shade of Pale“ dröhnt. Genau so sieht der kreative Prozeß aus. Ich mag Listen. Hier also der zur Zeit in meinem Atelier meistgespielten Platten in beliebiger Reihenfolge:

Trapist: Ballroom
Mogwai: Rock action
Elliott Smith: Either/ Or
Peterís Vasks: String Quartet No. 4
Mice Parade: Obrigado Saudade
Lambchop: What another man spills
Miles Davis: Water babies Swell: For all the beautiful people
Nat King Cole: The gold collection
Dictaphone: M.=addiction
Jimmy Giuffre 3: The easy way
Einojuhani Rautavaara: Anadyomene
Shellac: At action park
David Bowie: Lodger
Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem
Radiohead: Amnesiac
Arto Lindsay: Prize
Low: Trust
George Russell: The jazz workshop
Talk Talk: The laughing stock

Zur Zeit arbeite ich in Los Angeles. Neben meinem Atelier befindet sich eine Autowerkstatt („Gute Fahrt, German Auto Technik AG“), und auf dem Nachbargelände arbeitet rund um die Uhr eine Betonfabrik. Dadurch ist es mitunter zu laut für Musik. Dann lege ich ein Hörbuch auf, ein von mir lange verpöntes Medium (Bücher sind zum Lesen da). Derzeit höre ich meinen Dauerfavoriten: Originalradioaufnahmen von Gottfried Benn. Und Kerouacs „On the Road“, das mir zum Lesen zu langweilig wäre. Wenn Matt Dillon liest, habe ich aber das Gefühl, daß mir eine Tresenbekanntschaft seine Reiseabenteuer erzählt.

Tim Eitel, geboren 1971 in Leonberg, war Meisterschüler bei Arno Rink in Leipzig. In seinen ruhigen Kompositionen stellt er seine weitgehend entindividualisierten jungen Protagonisten versunken in Museumsausstellungen dar oder läßt sie in die Weite der Natur blicken. Es sind Bilder über unsere Haltung zur Welt – zur Natur und Architektur. Er wird von der Galerie Eigen + Art (Berlin/Leipzig) vertreten. In diesem Jahr wird Eitel im Museum Frieder Burda Baden-Baden (noch bis zum 25. Juni), im Kunstverein Göttingen (8. Oktober bis 19. November) und bei Pace Wildenstein in New York (Eröffnung am 23. November) ausstellen.

ANZEIGE
AKTUELLES HEFT
Aktuelles Heft

Wie politisch ist die Kunst? Das Monopol-Spezial zur Berlin-Biennale

Kunststadt Berlin Wie geht es weiter? Das Galeristen-Streitgespräch

Gallery Weekend Julian Schnabel, Paul Graham, Kim Gordon u.v.m.

Mode Stil-Ikone Daphne Guinness

Monopol 05/2012
JETZT AM KIOSK, IM SHOP UND AUF DEM iPAD
Werden Sie Fan und folgen Sie uns
Fan Facebook
ANZEIGE