Utopia

Carsten Nicolai über die Zukunft des Sounds

Wie viele Farben hat ein Ton?

von Katrin Wittneven
01.02.2006

Gibt es süße oder salzige Klänge? Hat ein Sound eine Vergangenheit – oder gar eine Zukunft? Für den 1965 in Chemnitz geborenen Künstler und Musiker Carsten Nicolai sind Töne weit mehr als akustische Signale. Er macht für das menschliche Ohr unhörbare Sounds sichtbar, indem er sie in Milchbecken Interferenzmuster bilden läßt oder in Streifenstrukturen transformiert – manche sperrt er in Isolierbehälter aus Glas oder untersucht sie als alternative Energiequellen. „Eigentlich wissen wir sehr wenig über Sound“, sagt Nicolai. Für ihn ist Klang ein Forschungsauftrag mit offenem Ausgang. Dabei ist er keineswegs auf synästhetischer Selbsterfahrungstour. Die Grundlage seiner Arbeiten ist vielmehr die Mathematik, für ihn eine ebenso universelle Sprache wie die Musik. Wie mit dem Skalpell geschnitten wirkten seine aseptischen, zirpenden oder brummenden Inszenierungen, zuletzt in Ausstellungen in der Frankfurter Schirn, der Neuen Nationalgalerie in Berlin und dem Smak in Gent. In seiner neuen Werkgruppe, die er mit einem computergenerierten Bild erstmals in Monopol vorstellt, nimmt er Lichtverläufe und Frequenzen auf. Der Lichtstrahl selbst wird zum Objekt. So wie das weiße Licht alle Farben vereine, so sei im weißen Rauschen jeder Ton enthalten, sagt Nicolai. Dieses Rauschen, in dem jeder Ton aufgeht – für den Künstler ist es die Zukunft des Sounds.