Vorstudien

Entdeckt: In dieser Dachkammer verbrachte Bruce Nauman den Sommer 1968

Drei Wochen im heißen Sommer 1968 lautete die Adresse Bruce Naumans: Poststraße 7, 5.

01.03.2006

Etage, Düsseldorf. In einer Mansarde (unser Foto), die vom Maler Konrad Lueg (später: Galerist Konrad Fischer) zum Atelier ausgebaut worden war, bezog der amerikanische Künstler Quartier und schuf Skulpturen wie „A cast of the space under my chair in Duesseldorf“, „Wegde Pieces“, „First Poem Pieces“ und anderes. Im Gespräch mit Stefan Koldehoff erinnert sich Nauman an die Dachkammer und die erste Ausstellung: „Zu meiner ersten Eröffnung bei Fischer kamen eigentlich nur Gerhard Richter und noch zwei japanische Studenten.“

Daß Sie den Düsseldorfer Kunstpreis selbst entgegengenommen haben, hat Seltenheitswert: Sie stehen nicht gern in der Öffentlichkeit – warum nicht?
Man steckt schon soviel von sich selbst in ein Werk, und dann stellt man es auch noch öffentlich zur Schau. Es ist manchmal schwierig, das herauszulassen. Ich glaube auch, daß ich mich über meine eigene Arbeit nicht sehr gut artikulieren kann. Ich habe immer versucht, Kunst zu machen, die den Menschen betrifft, die sofort da ist und wirkt, wie ein Schlag in den Nacken. Die Intensität läßt einem keine Wahl, die Arbeit zu mögen oder nicht. Ich habe auch nicht das Gefühl, daß ich sehr gut darin bin, über mein Werk zu sprechen.

Und daran hat sich bis heute nichts geändert?
Nein. Und wird es auch nicht. Meine Arbeit entsteht aus Frustration: Es frustriert mich, daß Menschen sich weigern, einander zu verstehen, und sich Gewalt antun. Das ist es.

Und warum haben Sie für Düssseldorf eine Ausnahme gemacht?
Mich verbindet viel mit dieser Stadt. Im Sommer 1968 bin ich zum ersten Mal hergekommen. Kaspar König hatte mich in Los Angeles besucht, sich für meine Kunst interessiert und dem Galeristen Konrad Fischer davon erzählt. Der lud mich zu einer Ausstellung ein. Damals hatte niemand Geld, und das billigste Flugticket bedeutete, daß ich drei Wochen bleiben mußte. Ich bin viel spazierengegangen und habe gezeichnet. Seit jener Zeit bin ich alle paar Jahre wiedergekommen. Und ich hatte 1973 in der Kunsthalle meine erste europäische Museumsausstellung. Verschiedene Werke waren vorher schon in anderen Museen gezeigt worden, aber in Düsseldorf war die erste Soloausstellung.

Haben andere Künstler Sie damals beeinflußt?
Kaum bildende Künstler. Eher Merce Cunningham, Steve Reich und Philip Glass.

Ab 9. September wird es im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft eine Nauman- Ausstellung mit dem Titel „Mental Exercises“ geben. Was wird zu sehen sein?
Ich habe keine Ahnung, was geplant ist. (Die Schau zeigt Videos, Performances und Installationen, u.a. „Performance Corridor“, „Body Pressure“, „Double No“, „Raw Material – BRRR“ und „Office Edit“. – d. Red.)

Aber Sie müßten doch wissen, was Sie zur Verfügung stellen?
Das meiste aus anderen Sammlungen. Ich bekomme dann irgendwann eine Liste.

Arbeiten Sie denn im Augenblick an neuen Werken?
Im Augenblick an einer Skulptur, zum Teil aus Bronze. Sehr langsam und noch sehr ungeformt.

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