K20 - Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
Ein eingelöstes Versprechen
Das Warten hat sich gelohnt: Das goldene Dreieck am Düsseldorfer Grabbeplatz mit dem frisch sanierten K20, mit Kunsthalle und Kunstverein glänzt wieder
Zwei Jahre haben die Sanierungsarbeiten der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K20, und die Realisierung des Anbaus gedauert. 20 Jahre hatte die Landesregierung gebraucht, um das Ex-Direktor Armin Zweite gegebene Versprechen einer Expansion Realität werden zu lassen.
Die von dem Kopenhagener Architekturbüro Dissing + Weitling, dem bereits der zeitlose Urbau von 1986 zu verdanken ist, an der Rückseite des Hauses platzierte zweigeschossige Halle erfüllt dank oben 900 und unten 1000 Quadratmeter Fläche mit großzügiger Eleganz den Zweck, den Platz für Ausstellungen zu verdoppeln. Direktorin Marion Ackermann, die 2009 vom Kunstmuseum Stuttgart nach Düsseldorf wechselte, lässt es sich aber erst einmal nicht nehmen, den Zuwachs als Experimentierbühne für zwei temporäre Großinstallationen zu nutzen. Der Belgier Kris Martin bespielt den neu gewonnenen Raum mit einem Heißluftballon, den Ventilatoren konstant in der Schwebe halten. Mit Gespür für museale Unterhaltung lässt Michael Sailstorfer ein Stockwerk tiefer düstere Objekte aus aufgeblasenen LKW-Reifenschläuchen an der Decke ihr Unwesen treiben.
Im September ist dann Schluss mit lustig. Beide Stockwerke und der Ausstellungsraum sollen die geplante große Beuys-Schau während der Quadriennale 2010 beherbergen.
Oberlicht und Blickachsen
Die erfreulich luftige, von dem Berliner Büro Kuehn Malvezzi mit Stellwänden und Kabinetten strukturierte Innenarchitektur und das wieder hell leuchtende Oberlicht erweisen sich für die neue Hängung als Glücksfall. Die Highlights einer der bedeutendsten deutschen Sammlungen für klassische Moderne und amerikanische Nachkriegskunst wie Picassos „Zwei sitzende Frauen“, Mondrians „New York City I“ oder Kandinskys „Improvisation IV“ gewinnen durch spannende Blickachsen an Präsenz.
Im Zentrum trumpft, wie schon unter dem Vorgänger Armin Zweite, ein Sonderraum mit Paul Klee auf, wenn auch der Umzug in den ursprünglich für Beuys‘ letzte Installation „Palazzo Regale“ entworfenen, in die Länge ausufernden Raum die filigranen Zeichnungen zu erdrücken droht. 1931 hatte Klee das Bauhaus Dessau verlassen, um an der Düsseldorfer Kunstakademie zu unterrichten. Nach der Machtergreifung der Nazis emigrierte er in die Schweiz. 1960 kaufte das Land NRW im Zeichen symbolischer Wiedergutmachung 88 seiner Werke und gab so den Startschuss für die Gründung der Kunstsammlung.
Einige Schritte die gewundene Treppe runter thront Polocks „Number 32“ in dem gewohnt hoch und geräumig belassenen „Amerikanersaal“, zwischen den großformatigen Warhols, Rothkos und Rauschenbergs. Der Ankauf des Drip-Painting fand 1964 unter der Ägide des ersten, kürzlich verstorbenen Direktors Werner Schmalenbach statt – dank des damals noch spendablen Westdeutschen Rundfunks.
Gegenwartskunst als Irritation
Auch die schlüssige Konzentration des K20 auf die Kunst bis 1960 ist geblieben. Zeitgenössisches, hauseigene Bestände und Leihgaben von Juan Munoz über Jeff Wall bis zu Monika Sosnowska, findet sich in der Dependance K21 am Kaiserteich – bis auf einige Ausnahmen, die der vorbildlich aufgefrischten Harmonie des Mutterhauses sanfte Irritationen zufügen: Der farbig schimmernde Wasserdampf von Olafur Eliasson vor dem wieder geöffneten „Blumenfenster“ etwa oder das wunderbar futuristische Dachcafé, das von dem Niederländer Joep van Lieshout bis ins kleinste Detail gestaltet wurde.
Die ehemaligen Grafikräume haben gleich eine Verwandlung zum Laborraum vollzogen. Hier lässt Ackermann Künstler vor Ort an ihren Projekten arbeiten. Als Erste darf Karin Sander ihre Scans der Besucher zu farbigen Kleinplastiken transformieren. Was sich wohl Thomas Struth als ihr Nachfolger einfallen lässt?
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