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Museum für angewandte Kunst

Die Blumen des Terrors: Wien kapituliert vor Pjöngjang

Das Wiener Museum für angewandte Kunst zeigt klebrigen Propagandakitsch aus Nordkorea und bestätigt doch nur variantenreich längst Bekanntes

von Anne Katrin Feßler
15.07.2010
Ri Sok Nam "Blauer Himmel ", 2005,  © Korean Art Gallery, Pyongyangzur Bilderstrecke
Ri Sok Nam "Blauer Himmel ", 2005, © Korean Art Gallery, Pyongyang

Seit 1975 wird Kimilsungia in Massen gezüchtet. Und seit dem Tod von Kim Il-sung 1994 vertritt diese Orchidee den „großen Führer“ auch emblematisch. Eine Blütenstickerei der ideologischen Blume hat der deutsche Künstler Olaf Nicolai in „Flowers“ 2007 mit der Handarbeit einer „normalen“ Lilie (beide im selben staatlichen Betrieb in Pjöngjang gefertigt) kombiniert: eine schlichte, unauffällige Gegenüberstellung von Repräsentation und Dekoration, die das demagogische Moment jedoch entschärft.

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  • Ri Sok Nam "Blauer Himmel ", 2005,  © Korean Art Gallery, PyongyangKim Yong Gu "Der Tag dämmert ",1978,  © Korean Art Gallery , Pyongyang Eishalle, 1984,  © Paektusan Academy of Architecture, Pyongyang Stadion "1.Mai", 1989, Sitzplätze für 150.000 Personen, © Paektusan Academy of Architecture, Pyongyang Panorama Pyongyang Paektusan Architekturakademie, ohne Jahreszahl, © Paektusan Academy of Architecture, Pyongyang Kim Myung Gon "Lasst uns in der gesamten Gesellschaft eine Atmosphäre des Lesens und des Studierens errichten!", 2010, © Korean Art Gallery, Pyongyang
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So eine Herabsetzung des nordkoreanischen Gewaltherrschers wäre in der Ausstellung „Blumen für Kim Il Sung“ nun allerdings undenkbar. Kommentar und Kontext, das wurde dem Wiener Museum für angewandte Kunst während der jahrelangen, diplomatisch diffizilen Vorbereitungen unmissverständlich eingetrichtert, sind unerwünscht. Und daher gilt für des Führers Pflanzen, ob nun gestickt, aquarelliert oder in Plastik gegossen: Neben der „ewigen, unsterblichen Blume“ des Alten darf nur eine bestehen – Kimjongilia, die Hybrid-Begonie des amtierenden Sprösslings Kim Jong-il.

Die botanische Zweifaltigkeit ist in der umstrittenen Schau, ebenso wie die anderen Darstellungen von Vater und Sohn, durch Absperrkordeln in hoheitsvolle Ferne gerückt. Erfolglos. Die beiden wirken in jedem der Bilder – ob mit frisch geschlüpften Küken beim Bauern oder am Heeressuppentopf – plump und fehl am Platz. Drum herum klebriger Propagandakitsch im Großformat mit Helden der Revolution, des Sports und der Arbeit oder mit lachenden Kindern, allein die Jahreszeiten wechseln.

Entmystifizierend? Besucher, die das stalinistische Terror­regime nicht als „demokratische Volksrepublik“ verstehen, hätten sich die Werke, die in Wien offiziell vorgestellt werden sollen, kaum anders vorgestellt. Erkenntnisgewinn? Nein. Stattdessen wird in 100 Varianten Bekanntes bestätigt. Ein schmales Ergebnis, für das eine Handvoll Bilder gereicht hätte: Eine Diktatur unterwirft der absoluten Macht alles, also auch die Kunst.

Museum für angewandte Kunst (MAK), Wien, bis 5. September 2010