Interpol

Frances Bean Cobain

Riecht nach Teen-Spirit

Seit 17 Jahren rätselt die Welt, was aus Frances Bean Cobain, der Tochter der Rockstars Courtney Love und Kurt Cobain, wohl einmal werden wird. Modebloggerin? Soap-Star? Oder doch keine Drogen? Eine vorläufige Antwort ist jetzt gefunden: Frances Bean ist Künstlerin – und stellt in Los Angeles erstmals Zeichnungen aus

von Daniel Völzke und Sebastian Frenzel
22.07.2010
Fiddle Tim "Goat Shit (I Don't Owe You Shit)", 2010, courtesy La Luz de Jesus Gallery, Los Angeleszur Bilderstrecke
Fiddle Tim "Goat Shit (I Don't Owe You Shit)", 2010, courtesy La Luz de Jesus Gallery, Los Angeles

Allen, die an ein Comeback der 90er-Jahre glauben, dürfte diese Nachricht den letzten Beweis erbringen: Die Tochter des Mannes, der diese Dekade wie kein Zweiter prägt (indem er sie via Selbstmord so bald wie möglich verließ), greift mit einer ersten Einzelausstellung den Teen-Spirit jener Jahre auf. Frances Bean Cobain, Kind aus der unheiligen Verbindung zwischen den Rockmusikerin Courtney Love und dem Nirvana-Sänger Kurt Cobain, zeigt unter dem Pseudonym Fiddle Tim und dem schön derben Titel „Scumfuck“ in der La Luz De Jesus Gallery in Los Angeles ihr künstlerisches Talent. Die acht Zeichnungen kosten zwischen 250 und 400 Dollar, sind aber nach Angaben der Galerie längst verkauft.

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  • Fiddle Tim "Goat Shit (I Don't Owe You Shit)", 2010, courtesy La Luz de Jesus Gallery, Los AngelesFiddle Tim "Civil Conduct ", 2010, courtesy La Luz de Jesus Gallery, Los AngelesFiddle Tim "The Ballad of Jim Jones", 2010, courtesy La Luz de Jesus Gallery, Los Angeles
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Die Tusche- und Graphit-Arbeiten könnten düstere Bücher illustrieren, erinnern an lustige Cartoons von Tim Burton, miese Cover-Art von Marilyn Manson, aber auch an Psychosen, die aus den Bildern von Edvard Munch herüberwehen. Soweit Wörter vorkommen, sind sie schmutzig oder witzig oder beides zugleich: Die Zeile „Treat me like your mother or I’ll eat the sun“ ist mit Sicherheit aus einem Song geklaut – und mag erklären, warum die Tochter von Courtney Love meist finstere Nachtgestalten zeichnet. Die Künstlerin selbst gibt an, dass sie vom amerikanischen Buchillustrator Al Columbia und dem Underground-Künstler Frank Kozik beeinflusst wurde. Und von Satan.

Bislang fiel die Teenagerin – trotz ihrer extremen Eltern – wenig auf. Im Gegensatz zur Grunge-Bewegung, die den Dreck unter den Fingernägeln und die Selbstzweifel im Herzen zelebrierte, liebt Frances Bean Shopping und harmlose Hollywoodunterhaltung. Stutzig machte allein, dass sie ihren 16. Geburtstag mit einer Mottoparty zum Thema Selbstmord feierte. Doch vielleicht sind solche Winkelzüge nicht einmal die dümmste Idee für ein Mädchen mit diesem Hintergrund. Mach weiter, Francis Bean – und was die Kritiker angeht: Nevermind!