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Benjamin Cottam

„Nicht immer lieben wir Menschen so sehr, wie sie eigentlich geliebt werden sollten”, sagt Benjamin Cottam und holt tief Luft. „Und nicht immer sollten wir sie so sehr lieben, wie wir es tun.“ Das klingt wie aus einem Hollywood-Melodram.

von Oliver Koerner von Gustorf
01.03.2006

Dabei geht es Cottam nicht um die Zuneigung zu Filmstars oder verblichene Lieben, sondern um tote Künstler. Oder besser: um den Mythos eines Werkes, das den Künstler nach seinem Dahinscheiden zur Legende werden läßt. Mit seiner Zeichnungsserie „Dead Artists“ hat der 30jährige New Yorker gründlich an dieser Vorstellung gerüttelt und damit nicht nur auf der letzten Berlin Biennale für Aufsehen gesorgt. Über hundert prominente und unbekannte Künstler, die seit 1950 das Zeitliche segneten, hat er während der letzten sieben Jahre nach Medienbildern mit dem Silberstift gezeichnet.

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Wie ein Bestattungsunternehmer arrangiert Cottam ihre Gesichter stets auf die gleiche Weise: In winzigen Strichen und kaum größer als eine Münze läßt er sie auf dem Papier schweben wie auf einem Miniaturleichentuch. Seien es Heroinüberdosis, tödliche Penizillinunverträglichkeit oder Lungenentzündung; seien es nun Jean-Michel Basquiat, Andy Warhol (siehe Bild) oder Agnes Martin – bei Cottam erscheinen ihre Porträts „smaller than life“. Es gehe ihm darum, aus dieser Idee von posthumer Idealisierung die Luft raus zu lassen, betont er. Die Miniporträts seiner letzten New Yorker Ausstellung sind einer noch lebenden Rocklegende gewidmet, die ihren frühen Heldentod allerdings selbst herauszufordern scheint: dem Kate-Moss- Freund und Babyshambles-Frontmann Pete Doherty.

Benjamin Cottam wird von der Galerie Gasser & Grunert, New York (www.gassergrunert.net) vertreten.

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