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Critical Run

Laufend Kritik schaffen

Karl Marx fand, der Mensch solle sich entfalten dürfen: morgens Jäger, nachmittags Fischer und nach dem Essen "kritischer Kritiker". Aber warum nicht alles auf einmal? Die Initiative Critical Run jedenfalls verbindet Sport und Diskussion

von Daniel Völzke und Sebastian Frenzel
23.07.2010
Critical Run vom P.S. 1/MoMA zum Thema "Biodiversity in the City", New York, 2007, © Thierry Geoffroy/Colonel, www.colonel.dkzur Bilderstrecke
Critical Run vom P.S. 1/MoMA zum Thema "Biodiversity in the City", New York, 2007, © Thierry Geoffroy/Colonel, www.colonel.dk

Sie rennen, machen Liegestützen, manchmal prügeln sie sich auch, vor allem aber diskutieren sie: Critical Run ist ein neues künstlerisches Format für Kritik – „ein stimulierendes, debattierendes und schweißtreibendes Format“, so die Initiatoren von der New Yorker Künstlerplattform Emergency Room.

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  • Critical Run vom P.S. 1/MoMA zum Thema "Biodiversity in the City", New York, 2007, © Thierry Geoffroy/Colonel, www.colonel.dkCritical Run bei den Pyramiden von Gizeh, 2010, © Thierry Geoffroy/Colonel, www.colonel.dkCritical Run bei den Pyramiden von Gizeh, 2010, © Thierry Geoffroy/Colonel, www.colonel.dkNew York, 2007, © Thierry Geoffroy/Colonel, www.colonel.dk© Thierry Geoffroy/Colonel, www.colonel.dk© Thierry Geoffroy/Colonel, www.colonel.dk
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Der Weg ist das Ziel: Vor den Pyramiden von Gizeh und in Kopenhagen, in Istanbul und Sibirien, Paris und Venedig haben solche Läufe bereits stattgefunden, während deren sich die Teilnehmer über Ausstellungen und Produktionsbedingungen, Markt und Utopien ausgetauscht haben – mitunter wurden auch Vernissagen gestürmt.

Unterstützt wird das Projekt von Institutionen wie dem Moderna Museet in Stockholm, dem Witte de With in Rotterdam oder dem New Yorker P.S.1/MoMA, koordiniert und dokumentiert werden die Aktionen im Internet.

Offenbar reichen kontemplative Kunstbetrachtung und ein fester Standpunkt nicht mehr aus, denn auch andere Web-Initiativen propagieren einen eher situationistischen Ansatz. So rät das Blog "Jumping in Art Museums" dazu, vor Kunstwerken in die Luft zu springen und diesen Augenblick fotografisch festzuhalten. Diesen Aufruf einer gewissen Allison aus Chicago sind bereits einige Menschen gefolgt. Hier allerdings fehlt der theoretische Hintergrund, und auch der sportliche Ehrgeiz fehlt, den die Außenseiter in Jean-Luc Godards Film "Bande à part" antreibt, die in neun Minuten und 43 Sekunden durch den Louvre rennen. Nein, gesprungen werden soll "aus Freude". Dabei ließe sich auch in der Schwebe, über allem, gewiss bestens diskutieren.