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Neue Datenbank erlaubt Recherchen zu 43.000 Gemälden

Nürnberg (dpa) - Noch immer liegt die Herkunft vieler Kunstwerke, die im Nationalsozialismus zwangsveräußert wurden, im Dunkeln.

erstellt am 28.07.2010

Experten erhoffen sich deshalb von einer neuen Online-Datenbank einfachere Recherche-Möglichkeiten: Die Archivbestände der Münchner Galerie Heinemann, die bis 1939 zu den bedeutendsten Kunsthandlungen der Welt gehörte, sind von diesem Donnerstag (29. Juli) an im Internet abrufbar. In der Datenbank sind Informationen zu rund 43 000 Gemälden aus dem 19. und 20. Jahrhundert erfasst.

Das Deutsche Kunstarchiv, das im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg angesiedelt ist, besitzt die Geschäftsbücher und Karteikarten der Galerie. Die Geschäftsunterlagen wurden nun digitalisiert und zur kostenlosen Recherche ins Internet gestellt.

Die Erforschung der Herkunftsgeschichte eines Kunstwerks sei für jedes Museum wichtig, erläuterte der Direktor des Germanischen Nationalmuseums, Ulrich Großmann, am Mittwoch. Gerade bei Kunstgegenständen, die in der NS-Zeit erworben worden seien, müsse recherchiert werden, ob dies «seriös» abgelaufen sei.

Die Galerie Heinemann wurde 1872 in München von David Heinemann gegründet und baute zahlreiche internationale Niederlassungen und Verbindungen auf. Spezialisiert hatte sich das Haus auf deutsche Kunst des 19. und später des frühen 20. Jahrhunderts, wie Birgit Jooss, Leiterin des Deutschen Kunstarchivs, berichtete. Heinemann und seine Familie handelten unter anderem mit Werken von Franz von Lenbach, Carl Spitzweg oder Max Liebermann. Zur Kundschaft des Hauses zählten auch zahlreiche Juden, die von 1933 an verfolgt wurden.

Recherchieren lassen sich Informationen zu allen Gemälden, die der Galerie angeboten wurden, die sie kaufte und wiederverkaufte oder in Kommission nahm. Kauf- und Verkaufspreise, Käufer, Verkäufer und weitere Handelsdaten lassen Rückschlüsse auf die Herkunftsgeschichte der Gemälde zu. In der Datenbank sind auch etwa 13 000 Museen, Kunstsammler, Händler und Privatpersonen verzeichnet.

Die Familie Heinemann verlor im Zuge der Zwangsarisierung jüdischer Geschäfte 1938 ihre Galerie und wanderte in die USA aus. Fritz Heinemann, der Enkel des Firmengründers, kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg nach München zurück und erhielt später die Geschäftsunterlagen der Galerie zurück. 1974 übergab er sie an das Deutsche Kunstarchiv.