Interpol

Wohin im August?

Freundschaften werden an den ungewöhnlichsten Orten geschlossen

Ausstellungstipps aus der Monopol-Redaktion, im August für Amsterdam, Berlin, Bielefeld, Düsseldorf, Köln, London, München und Salzburg

02.08.2010
Rineke Dijkstra "Amoy Botanical Garden, Xiamen, April 23, 2006", C-print, courtesy Rineke Dijkstra and Marian Goodman Gallery, New Yorkzur Bilderstrecke
Rineke Dijkstra "Amoy Botanical Garden, Xiamen, April 23, 2006", C-print, courtesy Rineke Dijkstra and Marian Goodman Gallery, New York

„Summer Loves“
Sonne auf der Haut, Gras unter den Füßen und überhaupt alles, was den Sommer auszeichnet, präsentiert das Amsterdamer Huis Marseille in seiner Ausstellung „Summer Loves“. Tonangebend für die Auswahl von Filmen und Fotos – etwa von Hannah Starkey, Thomas Struth oder Sam Taylor-Wood – ist „Die verliebte Kamera“, ein Reisefilm von Ed van der Elsken. Empathie ist nicht zuletzt für Rineke Dijkstra erste Fotografentugend. Selbstbewusst und erwartungsvoll begegnen zwei junge Mädchen im „Amoy Botanical Garden, Xiamen“, Dijkstras Kamera. Der erwachsene Blick will so gar nicht zu den kindlichen Matrosenanzügen passen.
Huis Marseille — Museum for Photography, Amsterdam, bis 29. August,

Michael Krebber: „Miami City Ballet“
Malen oder nicht malen, das ist bei Michael Krebber häufig die Frage. Der 1954 in Köln geborene Künstler, einst Assistent von Martin Kippenberger, bewegt sich schwer fassbar zwischen Grübelei und lustvollem Produzieren. Seine Ausstellung bei Daniel Buchholz soll ein Neuanfang nach längerer Pause sein und kreist um Künstlerpersönlichkeiten wie Jack Smith oder Andy Warhol. Der Titel „Miami City Ballet“ spielt auf den Gründer der gleichnamigen Company, Edward Villella, an.
Galerie Daniel Buchholz, Berlin, bis 21. August

Rirkrit Tiravanija: „Just Smile and Don’t Talk“
Ein scheinbar einfacher Befehl, dessen Umsetzung jedoch meist schwerfällt: „Just Smile and Don’t Talk“. Tiravanijas Schaffen basiert auf diesem Prinzip der Einfachheit. Nachhaltig fragt der thailändische Aktions- und Performancekünstler nach der sozialen Bedeutung von Kunst und führt sie zum „Leben“ zurück. In seinen Ausstellungen bereitet Tiravanija auf die jeweilige Umgebung abgestimmte Mahlzeiten zu und serviert sie den Besuchern. Seine Installation „Spaghetti Western“, jetzt noch einmal in der Kunsthalle Bielefeld zu erleben, reicht für eine Verköstigung von bis zu 800 Personen. Damit wird das Museum zum Ort des sozialen Miteinanders und zur karitativen Einrichtung.
Kunsthalle Bielefeld, bis 10. Oktober

„Intensif-Station“
Den Titel gibt ein Werk von Thomas Hirschhorn vor, es besteht aus fünf Großobjekten und thematisiert die Intensität von Kunsterfahrung. In den 26 Räumen des K21 Ständehauses treten bestehende Installationen in einen Dialog mit neuen Arbeiten zeitgenössischer Künstler wie Monica Bonvicini, Katharina Fritsch oder Janet Cardiff & George Bures Miller, die eine große installative Soundarbeit reinszenieren.
K21, Düsseldorf, bis 4. September 2011

Melanie Gilligan
„Popular Unrest“, so der Titel des neuen Films von Melanie Gilligan, der im Kölnischen Kunstverein gezeigt wird, scheint eine Mischung aus Dystopien wie „1984“, „Brave New World“ und „Matrix“ zu sein. Das Drama spielt in einer unserer Zeit nicht unähnlichen Zukunft, mit dem einzigen, aber bedeutsamen Unterschied, dass jegliche soziale Interaktion von einem System mit Namen „The Spirit“ überwacht wird. Die fünf Episoden erzählen von in der Öffentlichkeit verübten Morden, bei denen Zeugen nie einen Angreifer sehen, oder von spontanen Versammlungen einander unbekannter Menschen, die plötzlich eine tiefe Verbundenheit empfinden. Es ist eine Welt, in der Menschen bestraft werden, weil sie sich nicht gegen Krankheiten geschützt haben und in der Arbeitslose der Gesellschaft ihre Schulden in Körperenergie zurückzahlen.
Kölnischer Kunstverein, bis 5. September

Wolfgang Tillmans
Abstrakt und ganz der formalen Schönheit verpflichtet? Oder zeitdiagnostisch, realitätsgesättigt? Wohl kaum jemand verbindet diese beiden Pole der Kunst so souverän und selbstverständlich wie Wolfgang Tillmans. Scheinbar beiläufig fängt der Fotograf unsere urbane Gegenwart ein: Ein Stapel mit Eierkartons formiert sich zur Alltagsskulptur; winzig klein steht ein Junge vor einem backsteinroten Sozialbau, aus dem Ton in Ton weinrotes Efeu wuchert; die Schönheit der Jugend leuchtet in den Sommersprossen von „Dan“, der gerade nackt eine Hauswand hochklettern will. Nichts ist prätentiös oder wichtigtuerisch an Tillmans Bildern.
Serpentine Gallery, London, bis 19. September

Patti Smith & Christoph Schlingensief
Freundschaften werden an den ungewöhnlichsten Orten geschlossen. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass Christoph Schlingensief und Patti Smith sich bei den Bayreuther Festspielen kennengelernt haben? Ihre gemeinsame Ausstellung flankiert die Schlingensief-Premiere „Remdoogo – Stunde Null“ an der Bayerischen Staatsoper. Passend zu diesem Afrikaprojekt werden seine Fotos und Filmfragmente aus Burkina Faso und Namibia gezeig). Dazu präsentiert die legendäre US-Rockerin eine Auswahl ihrer Polaroidaufnahmen. Den klaren Stil ihres früheren Lebensgefährten Robert Mapplethorpe wird man darin nicht wiederfinden: Smith setzt aufs Meditative, auf Andeutungen und Unschärfen.
Galerie Sonja Junkers, München, bis 18. September

„Videorama. Kunstclips aus Österreich“
Film ab! Österreichische Künstler wie Gerwald Rockenschaub, Dariusz Kowalski oder Mara Mattuschka & Gabriele Szekatsch (mit dem schönen Titel „Unternehmen Arschmaschine“) sind in der Schau vertreten. In Salzburg ist eine konzentrierte Auswahl der gleichnamigen Schau der Kunsthalle Wien zu sehen. Die Videos stammen aus dem Ursula-Blickle-Archiv, das mittlerweile knapp 2500 Arbeiten fasst. Eine erkleckliche Anzahl von Selbstmorden garniert die morbide Parodie auf ein Künstlerschicksal in Hubert Sieleckis Kurzfilm „Die Helden“ (1991), gemeinsam gedreht mit Paul Braunsteiner und Josef Nermuth in der Künstlergruppe A.S.K.. Ein Trost immerhin: Der Künstler selbst bleibt am Leben.
Museum der Moderne Salzburg, Mönchsberg, bis 10. Oktober

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