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Matthias Weischer

„Ich fände es langweilig, wenn die Schauspieler sich in einem Gemälde bewegten“

Der Maler Matthias Weischer hat für eine Open-Air-Inszenierung im brandenburgischen Neuhardenberg ein Bühnenbild entworfen. Im Monopol-Interview spricht er über die Möglichkeiten des Theaters

von Daniel Völzke
13.08.2010
Matthias Weischer, Foto: Uwe Walterzur Bilderstrecke
Matthias Weischer, Foto: Uwe Walter

Herr Weischer, für die diesjährigen Ruhrfestspiele gestalteten Sie gemeinsam mit Regisseur Armin Holz ein Bühnenbild für Shakespears „Was ihr wollt“, nun haben Sie sich August Strindbergs „Fräulein Julie“ vorgenommen. Was interessiert Sie am Theater?
Theater lebt von vielen Leuten. Für mich als Maler, der allein im Atelier hockt, ist es schon deshalb interessant. In der Zusammenarbeit mit anderen kommt man zu anderen Ergebnissen als in der Malerei. Ich würde das Theater gern als einen weiteren Spielstein verstehen: man findet zu neuen Formen, geht in den Raum hinein, füllt die Blackbox aus.

Jonathan Meese und Daniel Richter haben gerade bei den Salzburger Festspielen Bühnenbilder entworfen, Künstler wie Olafur Eliasson oder Hermann Nitsch in der Oper gearbeitet. Was interessiert umgekehrt das Theater an der bildenden Kunst?
Das Theater zapft gerne fremde Quellen an. Reizvoll ist wahrscheinlich die unkonventionelle Art, mit der Künstler mit der Bühne umgehen, mit anderen visuellen Fähigkeiten und gestalterischen Mitteln. Man muss als Künstler natürlich auch teamfähig sein. Das Bild steht nicht nur im Vordergrund, sondern Schauspieler bewegen sich davor. Der Künstler muss sich unterordnen. Das ist auch eine Herausforderung.

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  • Matthias Weischer, Foto: Uwe Walter© Joseph Gallus Rittenberg© Joseph Gallus RittenbergMatthias Weischer "Croque Madame", 2010, courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, Foto: Uwe Walter, Berlin, VG Bild-Kunst Bonn 2010Matthias Weischer "Stapel", 2010, courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, Foto: Uwe Walter, Berlin, VG Bild-Kunst Bonn 2010
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Sie haben eng mit dem Regisseur zusammengearbeitet, andere Künstler wie Meese emanzipieren sich von der Vorlage und von den Anforderungen der Inszenierung? Wäre das für Sie auch ein denkbarer Weg?
Ich empfinde gerade die Zusammenarbeit mit Armin Holz als extrem frei. Wir sind uns in der Mitte begegnet. Es gab dabei eine sehr intuitive Herangehensweise. Wir wollten das Stück nicht illustrieren. Wenn man allein das Bühnenbild sieht, weiß man wahrscheinlich gar nicht, zu welchem Stück es gehören könnte. Mich hat erstaunt, dass ein so freier Umgang mit dem Stoff möglich ist. Deshalb würde ich auch jederzeit das mit ihm noch einmal machen, weil es mich auf neue Wege bringt.

Haben Sie sich auch einmal in der Inszenierungsgeschichte umgeschaut, was frühere Bühnenbildner mit dem Stück gemacht haben?
Das habe ich bewusst vermieden. Das hole ich dann später nach.

Strindberg hatte ganz eigene Vorstellungen davon, wie eine Bühne für ein naturalistisches Trauerspiel auszusehen habe: Sie sollte so realistisch wie möglich sein, klein und intim. Haben Sie sich davon leiten lassen?
Mit dieser Regieanweisung sind wir frei umgegangen. Dennoch glaube ich, dass wir dem Stück in jeder Hinsicht gerecht werden. So kann man vielleicht auch einen neuen Zugang zu dem Stück gewinnen. Übrigens habe ich das Endresultat noch gar nicht gesehen. Es ist noch im Werden begriffen, auch einen Tag vor der Premiere. Dass es so prozesshaft abläuft, hat mich selbst überrascht.

Wie sah denn dieser Prozess aus? Welche Akzente haben Sie gesetzt?
Der erste Schritt war, den geeigneten Ort zu finden. Wir haben die Terrasse hinter dem Schloss Neuhardenberg gewählt. Dann stand die Frage an, wie man auf die Vorlage eingeht und auf den Ort. Wir haben die Terrasse durch einen Steg erweitert, so dass man verschiedene Bilder auf dieser Strecke erzeugen kann. Wichtig war uns auch, bespielbare Objekte in den Raum zu stellen, Dinge, die dem Regisseur beim Inszenieren helfen. Wir haben flache, bemalte Gegenstände aufgestellt, einen Hochsitz, ein Tuch, an einen Baum gehängt – Kontrapunkte zu der Schlossfassade.

Sie sind bekannt geworden mit Interieurs. Hat Ihnen die Erfahrung der Malerei geholfen bei der Arbeit?
Vielleicht denkt man, wenn der Weischer jetzt ein Bühnenbild macht, dann wird es bei Strindberg tatsächlich so ein Kammerspiel. Aber ich wollte eine ganz andere Richtung gehen. Ich habe auch gespürt, dass Armin Holz etwas Neues definieren will. Ich fände es langweilig, wenn die Schauspieler sich in einem meiner Gemälde bewegten. Deshalb habe ich mich auf die Zusammenarbeit eingelassen. Jetzt überrascht mich das Ergebnis selbst. Es ist sehr fragmentiert, collagenhaft, sehr minimal, so dahingetupft.


Für welches Stück würden Sie gerne mal ein Bühnenbild entwerfen?
Keine Ahnung. Prinzipiell kann ich mir aber vorstellen, dass ich weiter Bühnenbilder fürs Theater gestalte. Man muss sich aber vor Routine hüten. Ich habe das Privileg, dass ich die Arbeit am Theater sporadisch, parallel zu meiner künstlerischen Entwicklung angehen kann. Was ich jetzt gemacht habe, ist erst einmal ein Anfang.


Schloss Neuhardenberg, Premiere 14.08.2010, 21:00 Uhr, weitere Termine: 15.08., 19.08., 20.08., 21.08., 22.08.

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