Architekturbiennale im Zeichen neuer Werte und Träume
Venedig (dpa) - Eine Architektur, die neue Werte vermitteln will, die Wege aufzeigen und die Träume einer «sich ständig verändernden Gesellschaft» realisieren kann: All das steht im Zentrum der 12. Architekturbiennale von Venedig.
Die internationale Ausstellung wird am kommenden Sonntag offiziell eröffnet. Kuratorin ist zum ersten Mal eine Frau: Die Japanerin Kazuyo Sejima vom renommierten Büro Sanaa aus Tokio. Das Büro wurde in diesem Jahr mit dem Pritzker Preis geehrt - der höchsten Auszeichnung für Architekten. Unter dem Motto «People meet in Architecture» (Menschen treffen sich in Architektur) ließ Sejima den Teilnehmern der renommierten Internationalen Schau weitgehend freie Hand.
«Die Ausrichtung der Schau steht im Dienst, andere Lebensarten zu finden», erklärte die 1956 in der Präfektur Ibaraki nördlich von Tokio geborene Architektin, zu deren bekanntesten Projekten das «New Museum of Contemporary Art» in New York und das «21st Century Museum of Contemporary Art» in Kanazawa gehören. Die Grundidee sei schlicht, «den Menschen und der Gesellschaft zu helfen, mit der Architektur und untereinander zu kommunizieren.» Dabei sei eine Vielfalt von Perspektiven wichtiger als eine einheitliche Orientierung. «"People meet in Architecture" heißt auch "Menschwerden in Architektur"», wie es Biennale-Präsident Paolo Baratta ausdrückte.
Mit der Architektur als Träger neuer Werte setzen sich in diesem Jahr 43 Teilnehmer aus aller Welt in den 300 Meter langen Werfthallen des «Arsenale» auseinander. Außerdem stellen 56 Nationen ihr Konzept in den Länderpavillons im Park der «Giardini» vor. Gezeigt werden vollkommen neu geschaffene Räumlichkeiten sowie Installationen jeglicher Art. Deutschland wird dabei durch das Büro Walverwandtschaften (München, Zürich, Boston) vertreten. Das von Cordula Rau, Ole W. Fischer und Eberhard Tröger entworfene und von Rau und Tröger ausgeführte Konzept will konkrete Bauwerke zeigen, «in denen sich kollektive Sehnsüchte spiegeln». Der Pavillon als «Sehnsuchtsort».
Sehnsucht sei die vielleicht größte Triebkraft für Kreativität, begründeten die Kuratoren ihr selbst gewähltes Motiv: «Kreative Arbeit beginnt mit Sehnsucht und wird bis zum Schluss von ihr begleitet.» Man wolle die flüchtigen, immateriellen Motive in der Architektur sichtbarmachen und eine Interpretation der Architektur des Begehrens und der Sehnsüchte schaffen. Die mit etwa einer halben Million Euro vom Bundesbauministerium unterstützte deutsche Schau soll am Freitag von Baustaatssekretär Jan Mücke offiziell eröffnet werden. Die Architekturbiennale schließt am 21. November ihre Tore.
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