Wohin im September?
Bilder des Zusammenhalts
Ausstellungstipps aus der Monopol-Redaktion, im September für Basel, Berlin, Düsseldorf, Duisburg, Frankfurt, Köln, Los Angeles, München, Stuttgart und Zürich
Rodney Graham: "Through the Forest"
Für den kanadischen Künstler Rodney Graham, der auch selbst publizistisch tätig ist, sind die Medien Buch und Schrift oft Anlass und Inhalt seiner Arbeiten. So wird eine alte, kaum gebrauchte deutsche Schreibmaschine aus den 30ern zum Sinnbild für das Totschweigen von Geschichte: Graham fotografierte das Gerät zunächst im Stil der Neuen Sachlichkeit und ließ dann Mehl darauf schneien. In der großen Werkschau in Basel wird ebenfalls deutlich, welche Rolle das Moment der Transformation bei Graham spielt. In der Arbeit „My Only Novel Translated from the French“ hat er die französische Übersetzung eines englischen Texts wieder ins Englische zurückübersetzen lassen – mit überraschendem Ergebnis.
Kunstmuseum Basel, Museum für Gegenwartskunst, bis 26. September
Bruce Nauman: „Dream Passage“
Seine Installationen gehen auf Träume zurück, komplexe Architekturen, die einem das Gefühl des Ausgesetztseins vermitteln. Lange hält man es in diesen Passagen und Korridoren nicht aus. Vergleichsweise leicht wirken die bunten Neonarbeiten des amerikanischen Konzeptkünstlers, die sich bei näherem Hinsehen jedoch als abgründige Statements zu den Themen Sex, Gewalt und Tod entpuppen. „Double Poke in the Eye“ beispielsweise leuchtet in Blau und Gelb, zeigt aber zwei Köpfe, die sich gegenseitig mit dem Zeigefinger ins Auge stechen.
Hamburger Bahnhof, Berlin, bis 10. Oktober
Ai Weiwei: „Barely Something“
Ein heroischer Dissident, ein Mann der großen Gesten? Oder handelt es sich bei Ai Weiwei doch eher um eine ruhige, sensible Natur? Kurator Roger M. Buergel, der den chinesischen Künstler auch schon zur Documenta 12 einlud, will den Mythennebel lichten. In Duisburg steht die Formensprache Ai Weiweis an erster Stelle, wobei das Gros der Objekte der Vernetzung Chinas mit der westlichen Welt nachspürt. Ai Weiweis „Teahouse“ aus Blöcken gepresster Teeblätter sieht aus wie eine vergrößerte Hubert-Kiecol-Skulptur. Und der Coca-Cola-Schriftzug auf einer antiken Han-Vase verbindet kühn die Kulturrevolution im Osten mit der ach so demokratischen Konsumkultur im Westen. Außerdem schenkt das DKM dem Frühwerk wieder Beachtung. Auch in den 80er-Jahren spielten chinesischer Alltag und Traditionen bei Ai Weiwei eine wichtige Rolle.
Museum DKM, Duisburg, bis 20. September
„Tales of Resistance and Change“
Die Verhältnisse im heutigen Argentinien sind so komplex, wie die Geschichte des Landes bewegt ist. Nach einer neoliberalen Phase, die mit der Wirtschaftskrise 2001 endete, begannen Künstler, auf kritische Praktiken zurückzugreifen. Die zwölf im Frankfurter Kunstverein gezeigten Positionen aus Argentinien – darunter Tomás Saraceno und Florencia Levy – sind vielfach von der Idee sozialer Teilhabe geprägt. Proyecto Nido entdeckt eine uralte Technik zur Stoffherstellung neu, Gian Paolo Minelli arbeitet am Rand von Buenos Aires mit Amateurfotografen, Alessandra Sanguinetti fotografiert seit Jahren zwei Frauen und ihre Familien und zaubert Bilder des Zusammenhalts und der Zärtlichkeit.
Frankfurter Kunstverein, bis 31. Oktober
Dennis Hopper: „Double Standard“
Im Mai ist er gestorben. Dennis Hopper konnte seine eigene, große Retrospektive nicht mehr eröffnen. Ein Trost: Das MOCA trägt dazu bei, die Erinnerung an den Künstler hinter dem Hollywoodstar zu bewahren. Von Julian Schnabel kuratiert, ist in Los Angeles die Bandbreite des Vermächtnisses zu erleben: frühe Malerei aus den 60ern, Fotografien wie das durch die Windschutzscheibe geschossene „Double Standard“-Motiv oder ein Porträt von James Rosenquist vor seiner Malerei. Dazu Skulpturen, die auf Hoppers Begeisterung für Marcel Duchamp zurückgehen. Filminstallationen würdigen den Schauspieler und Regisseur, der wie wenige die Grenzen zwischen den Sparten eingerissen hat.
Museum of Contemporary Art, Los Angeles, bis 26. September
Zaha Hadid: „Suprematism“
Die Werke der russischen Avantgarde sind immer eine wichtige Inspirationsquelle für die berühmte Architektin Zaha Hadid gewesen. Nun stellt die Züricher Galerie Gmurzynska eine standortspezifische Installation der Pritzker-Preisträgerin den Arbeiten der Suprematisten aus der eigenen Sammlung gegenüber. Die vertikalen schwarzen Streifen, mit denen Hadid Wände, Boden und Decken der Galerie gestaltet hat, erinnern an die geometrischen Formen eines Kasimir Malewitsch. Zugleich visualisieren die dynamischen Strahlen Geschwindigkeit – sie beamen eine fast 100 Jahre alte Kunst in die Zukunft.
Galerie Gmurzynska, Zürich, bis 25. September
Plus: Saisonstart der Galerien
Der Herbst kommt, die Kunst kehrt zurück – das halbe Land verwandelt sich in den kommenden Wochen in einen Galerienrundgang. Stuttgart ruft am 18. und 19. September den Art Alarm aus, mehr als 20 Galerien der Stadt vereinigen sich an diesem Wochenende zur flächengreifenden Vernissage (www.art-alarm.de). In Frankfurt am Main feiert man bereits vom 3. bis 5. September den Saisonstart – 40 Galerien sind beteiligt (www.frankfurt-galerien.de). Die DC-Open erstreckt sich über Düsseldorf und Köln – 60 Galerien treten vom 3. bis 5. September unter dem Motto „Legendary Contemporary“ an (www.dc-open.de). Zeitgleich begehen 30 Düsseldorfer Galerien die Deutschlandpremieren (www.deutschlandpremieren.net). Und dann gibt es noch die Open Art 2010 – das Kunstwochende der Münchner Galerien (10. bis 12. September).
- Rodney Graham (Künstlerdatenbank)
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