Streit um Künstlerakademie in Istanbul
Berlin (dpa) - Streit um die geplante deutsche Künstlerakademie in Istanbul: Der CSU-Kulturpolitiker Peter Gauweiler hat dem Auswärtigen Amt am Freitag vorgeworfen, ohne Rücksprache mit dem Bundestag mit einem neuen Konzept vorgeprescht zu sein.
«Die Vorgehensweise ist unglücklich», sagte der Bundestagsabgeordnete der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.
Gauweiler ist der Vorsitzende des zuständigen Unterausschusses für Auswärtige Kulturpolitik. Er werde das Thema jetzt für die nächste Sitzung am 27. September auf die Tagesordnung setzen und die im Außenamt für das Projekt zuständige Staatsministerin Cornelia Pieper (FDP) um Teilnahme bitten, sagte Gauweiler.
Pieper hat ein Konzept erarbeitet, das praktisch das Aus der Künstlerakademie Tarabya bedeutet. Nach Ansicht von Haushaltsausschuss-Chefin Petra Merkel (SPD) ist das Projekt dagegen noch «sehr lebendig». Dem Ausschuss liege ein Schreiben von Kanzleramtschef Ronald Pofalla vor.
Darin verweise er zwar auf die Erfordernisse der türkischen Regierung. Er erkläre aber auch, dass es weiterhin Ziel bleibe, Tarabya einer Nutzung entsprechend den Vorgaben des Bundestags zuzuführen, schreibt Merkel mit Hinweis auf Pofalla.
Nach einem Beschluss des Bundestags vom vergangenen Jahr sollte in der weitgehend ungenutzten deutschen Residenz in Istanbul eine Künstlerakademie nach dem Vorbild der Villa Massimo in Rom entstehen. Gauweiler betonte, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe sich persönlich für die Akademie ausgesprochen.
«Wenn die Bundeskanzlerin ein solches Vorhaben öffentlich verkündet, sollte man meinen, dass es mit dem Auswärtigen Amt abgestimmt ist und dass beide dieses Projekt, das weniger kostet als eine Rakete in Afghanistan, mit ein bisschen mehr Elan und Nachdruck verfolgen», sagte er.
Dem ursprünglichen Konzept zufolge sollten 14 Künstler die Möglichkeit bekommen, in der Akadmie mit einem Stipendium ein halbes Jahr zu leben und Kontakte zur türkischen Kollegen zu knüpfen. Piepers Konzept sieht dagegen allgemein eine kulturelle Begegnungsstätte und nur noch drei oder vier Appartements vor.
«Wir brauchen kein neues Catering-Center, das kann man billiger bekommen», sagte Gauweiler. Das Reizvolle an der Akademie-Idee sei gerade, dass sie durch den längeren Aufenthalt der Künstler vor Ort auch einen Beitrag zur deutsch-türkischen Integrationsdebatte leisten könne.
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