Wohin im Oktober?
Wundersame Anfänge
Ausstellungstipps aus der Monopol-Redaktion, im Oktober für Aachen, Berlin, Hannover, Heilbronn, London, Pouges-les-Eaux und Siegen
„West Arch“
Pragmatismus und Visionen müssen sich nicht ausschließen. Im Aachener Ludwig Forum stellen 25 junge Architekturbüros aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland aus. Büros wie Low Architecten aus Antwerpen, Lobomob aus Wuppertal oder Next Architects aus Amsterdam zählen zu einer jungen Generation, für die Architektur und zeitgenössische Kunst eng beieinanderliegen. Vorgestellt wird unter anderem das Projekt „Villa Welpeloo“ der 2012Architecten aus Rotterdam. Vorgabe für die Behausung für ein kunstsinniges und zugleich umweltbewusstes Paar: Das Gebäude soll weitgehend aus Abbruch- und Abfallmaterialien bestehen, die im Umkreis von wenigen Kilometern um den Bauplatz zu finden sind.
Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen, bis 14. November
ABC – Art Berlin Contemporary
Mit der Art Berlin Contemporary, kurz ABC genannt, bieten führende Berliner Galerien auch in diesem Jahr wieder eine kuratierte Ausstellung, die das Angebot de Kunstmesse Art Forum ergänzen soll. Thema ist diesmal das Filmische. Drei Tage lang werden im Marshall-Haus auf dem Messegelände sowie im Theater Hebbel am Ufer unter dem Motto „light camera action“ vor allem Videoinstallationen und Filme präsentiert. Zu sehen ist beispielsweise eine Installation von Victor Burgin, die Hollywoodfilme neu kombiniert. Eine Entdeckung versprechen die Fotografien von Luigi Ghirri, der in den 70er-Jahren mit seiner Farbbildkamera eine visuelle Enzyklopädie seiner norditalienischen Heimat erstellte – darunter eine Serie, für die er zu Werbezwecken hergestellte Pappfiguren zu Akteuren machte. Ein Wiedersehen mit Ronald Reagan, Björn Borg und anderen Helden verspricht die „Psycho Fashionshow 2081“, eine theatralische Bilderperformance zum Thema 80er-Jahre, die der Journalist Georg Diez und der Künstler und Filmemacher Christopher Roth zusammengestellt haben.
Marshall-Haus, Messegelände, und HAU 2, Berlin, 7. bis 10. Oktober
Nathalie Djurberg: „snakes knows it’s yoga“
Eine nackte Frau fängt einen Frosch, beide lecken sich wechselseitig ab, bis die Protagonistin in Ekstase gerät. Das Rauschhafte schwingt auch in den psychedelischen Malereien im Hintergrund. Mit ihren Animationsfilmen setzt sich Nathalie Djurberg auf zynisch-absurde Weise mit Themen wie Obsession, Macht, Lust und Gewalt auseinander. In der Kestnergesellschaft Hannover spielt sie vor allem mit den Motiven Leid und Trance. Neben den zwei filmischen Arbeiten (begleitet durch die Vertonungen des Komponisten Hans Berg) versammelt die Ausstellung ein installatives Ensemble von 42 Plastilinfiguren beziehungsweise Figurengruppen: Fakire, Yogis und Mönche, die unter Plexiglashauben auf ihre Erleuchtung warten.
Kestnergesellschaft, Hannover, bis 7. November
Georg Herold: „Anders denkende Einrichtung“
Statt Bronze und Marmor dienen ihm Dachlatten, Strumpfhosen, Ziegelsteine oder sogar Kaviar als Materialien: Die Skulpturen von Georg Herold bieten eindrucksvolle Beispiele dafür, wie dramatisch sich die Bildhauerei in den vergangenen Jahrzehnten inhaltlich und formal verändert hat. Für den Heilbronner Kunstverein hat der 1947 in Jena geborene Künstler neue Arbeiten zum historischen Themenfeld Figur und Figurengruppe entwickelt. In Schaumstoffstreifen gewickelte Mumien üben einen Pas de deux, eine in Satin gekleidete Dachlatten-Primaballerina brilliert im Ausdruckstanz. Sie alle sind schön – wenn auch nicht im klassischen Sinne.
Kunstverein Heilbronn, 2. Oktober bis 5. Dezember
Walid Raad: „Miraculous Beginning“
Was kann Kunst ausrichten? Es ist eine alte Frage, ob ästhetische Praxis etwa Kriege beeinflussen kann. Umgekehrt können Kriege zweifellos zu Kunstwerken führen. Der 1967 im Libanon geborene Walid Raad sagt sogar, sein Werk sei „in gewisser Hinsicht durch die Bürgerkriege im Libanon erst ermöglicht“. Die Londoner Whitechapel Gallery präsentiert die erste umfassende Ausstellung des Künstlers in England. Zu sehen sind sein auf der Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion balancierendes Bürgerkriegsarchiv „The Atlas Group“, Notizblätter wie „Already been in a lake of fire“ und, erstmals, eine Reihe von Fotos, mit denen Raad den Wandel seiner Heimatstadt Beirut augenfällig werden lässt.
Whitechapel Gallery, London, 14. Oktober bis 2. Januar 2011
Kerstin Brätsch & Das Institut: „Rien, Rien!“
"Das Ein-Mann-Künstlermodell ist konservativ, das Eine-Frau-Modell nur das Gegenbild – das sind Klischees, die ich aufnehme und ironisiere.“ So weit Kerstin Brätsch kürzlich im Interview (Monopol 02/2010). Ihre Ausstellung in Frankreich ist Teil des Austauschprogramms „Thermostat“ zwischen Centres d’art und deutschen Kunstvereinen (bis Mitte 2011). Brätsch, die einen Mix aus persönlichem und kollektivem Ansatz praktiziert, arbeitet unter dem Label „Das Institut“ mit der Partnerin Adele Röder zusammen. Bei der Schau im Parc Saint Léger, einer Kooperation mit dem Frankfurter Kunstverein, sind starkfarbige „Werbe“-Flyer zu sehen, digital entworfene Bildcollagen und Mischtechnikgemälde.
Parc Saint Léger, Centre d‘art contemporain, Pougues-les-Eaux, 10. Oktober bis 19. Dezember
„Je mehr ich zeichne“
Geschickte Hände und vor allem helle Köpfe sind gefragt, wo es um Zeichnung geht. Dieses Medium hat einfach den direktesten Draht zum Denkprozess. Eine fulminante Überblicksausstellung in Siegen fasst im Untertitel die „Zeichnung als Weltentwurf“ auf, von lakonischen Kritzeleien über fiktive Landkarten bis hin zu wuchernden fantastischen Welten wird im Museum für Gegenwartskunst ein riesiges Spektrum ausgelotet. 41 Künstler sind dabei, darunter mit Joseph Beuys, Cy Twombly oder Stanley Brouwn auch historische Positionen. Für Vitalität und unerschöpfliche Möglichkeiten der Zeichnung stehen jüngere Künstler: Jorinde Voigt taumelt im Diagramm-Delirium, Alexander Roob spuckt Endlosgeschichten aus, David Shrigley tränkt das Papier mit Bizarrem.
Museum für Gegenwartskunst, Siegen, bis 13. Februar 2011
- Cy Twombly (Künstlerdatenbank)
Die Toten des Jahres 2011
Vollgesogen mit südlicher Sonne
Suchen und Umkreisen
Cy Twombly gestorben
Informel und die Folgen: Berlin weist Hans Hartung den Ehrenplatz zu
Am Skilift herrscht Champagnerklima: Das Festival St. Moritz Art Masters
Tobias, laß uns mal Geld verdienen - Joseph Beuys (Künstlerdatenbank)
Wohin am Wochenende?
"Nie wieder malen … das wäre ein Problem"
„Eh? ... mmmmm ... uh ... but ... well ... oooh!“
Nachruf
Schöner wär’s!
Der Düsseldorf-Komplex
Mircea Cantor
Ein eingelöstes Versprechen
Morgenröte oder Apokalypse? Selbstvergewisserungen in Bonn
Erdkunde
"Irgendetwas anders machen ..." Lena Brüning über die Galeristenfamilie Schmela
Verfügung gegen Beuys-Ausstellung
Thomas Hirschhorns visuelle Protestmärsche - Kerstin Brätsch (Künstlerdatenbank)
„Die Idee von Weltkunst ist gefährlich“
Das Institut schlägt zurück
Überlebensgroß: Massimiliano Gionis Gwangju-Biennale
Watchlist: Tobias Madison
Erdkunde
„Wir machen in Import-Export“ - Jorinde Voigt (Künstlerdatenbank)
Wohin am Wochenende?
Endlich wieder Avantgarde
Gegenmittel zum Tumult: Die Gruppenshow der Galerie Nolan in New York
Im Rheinland bei Freunden
"Jemanden zu haben, dem man vertrauen kann" - Die Fahnemanns über ihr Vater-Sohn-Team - Nathalie Djurberg (Künstlerdatenbank)
Goldene Löwen für US-Pavillon und Tobias Rehberger - Georg Herold (Künstlerdatenbank)
Morgenröte oder Apokalypse? Selbstvergewisserungen in Bonn
Drei Tage wach: Höhepunkte der Berliner Galerienschau - Künstlerdatenbank: alle Künstler in der Übersicht




