Kunst-Werke Berlin
Die schwere Last an Idealen
Verleger präsentieren unter dem Titel „Twentysix Missread Stations“ in den Berliner Kunst-Werke ihre Künstlerbücher
„Es ist kein Kunstbuch, aber auch kein Buch über Kunst. Es ist ein neuer, autonomer Beitrag zur Kunstgeschichte. Erdacht, um dem Medium Buch zu dienen, aber darin etwas Eigenes zu formen: Das Künstlerbuch. Ein fragiles Bildmittel für eine schwere Last an Hoffnung und Idealen.“ Die US-amerikanische Kunsthistorikerin Lucy R. Lippard war eine der Ersten, als sie in den 70er-Jahren über das Medium Künstlerbuch schrieb.
Die einflussreichsten Künstlerbuchverleger treffen sich an diesem Wochenende in den Kunst-Werken (KW) in Berlin-Mitte, um ihre wertvollen Ausgaben zu zeigen und in Vorträgen und Gesprächen über die Praktiken des künstlerischen Arbeitens und Publizierens zu informieren. Denn: Viele Verlage haben unlängst das Medium des Künstlerbuches für sich entdeckt. Seit 1997 lässt etwa der Ringier Verlag seinen Jahresbericht von internationalen Künstlern gestalten. Vergangenes Jahr veröffentlichten die Schweizer Konzeptkünstler Peter Fischli und David Weiss in diesem Zusammenhang die bildgewaltige Enzyklopädie „Sonne, Mond und Sterne“.
Als Künstlerbücher sind nur solche zu bezeichnen, die nicht künstlerische Inhalte wiedergeben, sondern neu formulieren. Ihre Faszination liegt in der Haptik. Kunst zum Anfassen. Ein komplexes, kleines Werk, das bei jedem Umblättern ein neues künstlerisches Universum zeigt. Ed Ruscha war mit seinem Künstlerbuch „Twentysix Gasoline Stations“ aus dem Jahre 1963 einer der Vorreiter in dieser Disziplin. Er stellte die einzigen drei Ausgaben selbst her, benutzte dafür die sich damals durchsetzende Technik des Offsetdrucks. Gezeigt werden 26 Fotografien von Tankstellen der Route 66 - ein Reiseskizzenbuch, eine Dokumentation des amerikanischen Traumes von Mobilität und Freiheit.
Ruscha hält seine Künstlerbücher für wichtiger als seine Gemälde oder grafischen Arbeiten. Das Leitbild der Ausstellung unter dem Titel „Twentysix Missread Stations“ in den KW ist daher wohl nicht ohne Grund an das Layout des Buchumschlages von eben jenem Buch des Künstlers angelehnt.
Freitag von 15 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag von 12 bis 19 Uhr
- Fischli/Weiss (Künstlerdatenbank)
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