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KunstWerke Berlin

Mondlandschaft Auguststraße

Prinzip Staffellauf: Angela Bulloch eröffnet eine neue Ausstellungsreihe in den KunstWerken

von Silke Hohmann
28.10.2010
KW Institute for Contemporary Art, © KunstWerkezur Bilderstrecke
KW Institute for Contemporary Art, © KunstWerke

Mittlerweile gibt es in den Fenstern, Galerien und Ladengeschäften der Auguststraße nur noch so wenig interessante Dinge zu sehen, dass man manchmal vergessen könnte, dass auch die KunstWerke ja eine Art Storefront haben: Die kleinen Ausstellungsräume im Vorderhaus der Auguststraße 69 waren zwischenzeitlich Entzugsstation für Kunstwelt-Mitglieder mit Drogenproblemen, jetzt sind sie genau das, was die Kunstszene hier am meisten mag und am besten kann: ein Ausstellungsraum, in den Künstler ihre Freunde und Kollegen einladen – einer fängt an, die anderen machen weiter. Den Auftakt macht Angela Bulloch mit dem 1970 geborenen Franzosen Jean-Michel Wicker, der seine eigenen Arbeiten mit denen anderer Künstler ausstellt.

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  • KW Institute for Contemporary Art, © KunstWerkeChristina Mackie "suppression, repression, depression, compression", 1996 © MonopolLicht von Cerith Wyn Evans © MonopolManfred Pernice, Hocker-Set "Bergamo", 2008 © Monopol
Ort

Diese Art Staffellauf hatte sich schon im „Hotel Marienbad“ bewährt, einer früheren Ausstellungsreihe nach additivem Einladungsprinzip. Doch jetzt ist die ganze Sache weniger anekdotisch angelegt, der Raum nicht mehr samtig-behaglich, sondern weiß. Eigentlich: gleißend, durch eine Lichtsäule von Cerith Wyn Evans (Untitled, 2010) in der Mitte des größeren der beiden Räume. Auch das Mobiliar – polygone Hocker von Manfred Pernice – ist eher metaphorisch zu sehen. Wicker selbst zeigt seine flachen weißen Skulpturen, die wie mehrere Monde an der Wand hängen, irgendwo zwischen Fladenbrot und Hubble-Teleskop-Ästhetik.

Eine große kreisförmige Scheibe („Anthropo A-propos“, 2010) hängt frei im Raum und schützt so eine Zeichnung von Roberto Matta, Vater von Gordon Matta-Clark, vor dem grellen Licht. Außerdem duftet sie parfümiert – Wicker hat sie mit „Elysées 64-83“ besprenkelt, ein Parfüm, das 1946 von dem Modeschöpfer Pierre Balmain in Auftrag gegeben wurde, um seine Visitenkarten damit einzusprühen. Im kleineren Zimmer läuft der Film „Atomic Park“ von Dominique Gonzalez-Foerster von 2003, der in New Mexico gedreht wurde, auch so eine Art Mondlandschaft.

„Molecular Etwas“ ist der Titel der Ausstellung, die selbst eine kleine Kettenreaktion zu sein scheint: Am Ende verdichtet sich auch ohne thematischen Überbau alles wie der Styropor-Kaffeebecher von Christina Mackie. Die hatte 1996 sechs Becher unterschiedlichem Druck ausgesetzt und den gleichen Becher zu sechs unterschiedlichen Gefäßen gepresst.

Die Eröffnung erinnerte an die besten Zeiten der 4. Berlin-Biennale, als es auf der Auguststraße eine falsche „Gagosian Gallery“ gab, die in kurzer Folge von Künstlern kuratierte Ausstellungen zeigte – nah an der Produktion, gering im Aufwand, pointiert und interessant.

KW69 #1: „Molecular Etwas“ von Angela Bulloch, mit Arbeiten von Jean-Michel Wicker u.a., bis 28.11.2010
KW69 #2: von Jean-Michel Wicker, 9.12. bis 9.1.2011, Eröffnung 8.12. 19 Uhr