Interpol

Outsider: Billy Childish hat viele Gesichter. Jetzt malt er Tableaus à la Edvard Munch

Der Mann sieht aus wie dem 19.

von Holger Liebs
22.07.2010

Jahrhundert entsprungen, wie, sagen wir, ein Nordpolarforscher. Ist aber ein Legastheniker, der im winzigen Schlafzimmer seiner Mutter in London malt – und dort mehrere Hundert Bilder hortet. Sowie ein unter Dutzenden von Pseudonymen arbeitender Produzent von über 100 Schallplatten, fast 50 Gedichtbänden und ungezählten Gemälden. Billy Childish war immer überzeugter Antikünstler (er wurde von der Londoner Akademie Saint Martins geschmissen, wo er mit Peter Doig studierte), Punk seit 1979, Dada- und Schwitters-Fan, Mitglied des Stuckisten-Kollektivs: Doch kürzlich bekam er bei Neugerriemschneider auf der Art Basel eine Riesenkoje – und findet sich mitten im Kunstkosmos wieder. „I don’t do parties“, beeilt er sich zu sagen – aber seine zwischen Munch und van Gogh schillernden Leinwände verschaffen ihm zumindest ein glänzendes Entree im Betrieb. Wenn auch Lästerzungen nicht fassen konnten, dass ausgerechnet dieser Outsider nun vom Markt umfangen wird. Wer kommerziellen Erfolg hat, taugt halt eher weniger zur Kultfigur. Macht nichts: Childish schert sich nicht weiter drum. Er malt, seit er zwölf war, hat mit Mike Kelley und Raymond Pettibon ausgestellt, als die Kunstwelt diese Namen noch nicht mal buchstabieren konnte. Und injiziert jetzt eine fiebrig-grelle Fin-de-Siècle-Dosis in die zeitgenössische Kunst. Wie sagt er selbst? „Art is much too important for being important.“

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Ab 5. Oktober wird es bei Neugerriemschneider in Berlin die erste Einzelausstellung von Billy Childish in Deutschland geben. Er widmet sich hier dem fast vergessenen und neuerdings wiederentdeckten Schriftsteller Hans Fallada (1893–1947)

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