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Nouveau Musée National de Monaco

Natürlich künstlich

Thomas Demand und Kollegen spielen falsch in Monte Carlo

09.11.2010
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Die Amsel zappelt, Zähne fahren in ihr Herz, Blut sprenkelt den Kragen des Mädchens, das auf René Magrittes Gemälde „Le plaisir“ einen Vogel isst: eine von gut 100 Arbeiten, mit der die Villa Paloma in Monte Carlo als Museum eingeweiht wird. Der Ausstellungstitel „La carte d’après nature“ geht auf ein von Magritte herausgegebenes Magazin in Postkartenform zurück. Gastkurator Thomas Demand spielt damit auf unser distanziertes Verhältnis zur Natur an. Das passt: Parks und Hydrokulturen sind das Äußerste an Wildnis, was sich im steingewordenen Steuerparadies finden lässt.

Das Nouveau Musée National de Monaco sollte ursprünglich auf einer ins Meer geschütteten Landzunge Platz finden, doch der Traum zerbrach im Finanzcrash. Plan B trat in Kraft, die Aufteilung des neuen Kunstmuseums auf die schon vorher als solches genutzte Villa Sauber (die bis 16. Januar 2011 Yinka Shonibare zeigt) und das von 1913 stammende, für den Anlass komplett umgebaute Patrizierhaus Paloma. Dort erscheint alles nun noch künstlicher als im botanischen Garten nebenan. Neben Demands eigenen papiernen Waldlichtungen und Rasenstücken oder den marinen Fantasiewesen der Keramikerin Chris Garofalo sind außer mehreren Magrittes weitere historische Werke zu sehen, etwa Abbildungen der kubistischen Betonbäume von Jan und Joël Martel aus den 20er-Jahren.

Natur ex negativo: Martin Boyce schnitt Silhouetten von Vögeln aus („No Bird“). Henrik Håkanssons Mikrofon hat alle möglichen ihrer Stimmen eingefangen, nur nicht den Gesang der Taube, la paloma. Der existiert ja auch nicht, aber die Schallplatte gibt es als Give-away. Und Tacita Dean präsentiert eine Versammlung von Elstern als 16-Millimeter-Film. Gemalte Wolken, Neonpalmen und Berge aus Zement bevölkern die eindringlichen Kleinformate des 1992 früh verstorbenen Fotografen Luigi Ghirri. Thomas Demand hat Passepartouts dafür gebaut, die wie Guckkästen wirken. Die Magritte-Gemälde wurden auf Vorhängen platziert. Und nicht einmal die sind echt, sondern auf Fototapete gedruckte Papierfaltenwürfe aus Demands Atelier. Sogar der Brandschutzbeauftragte soll darauf hereingefallen sein.

Nouveau Musée National de Monaco, Villa Paloma, bis 22. Februar 2011

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