Das Kunstmarkt-Briefing

Aktives Geld und Wartelisten: Auf der Art Basel regiert wieder der Mut – vor allem bei den Topgalerien

„Er betrat Laden um Laden, fragte nach keinem Preis, sprach mit niemandem und betrachtete alle Objekte mit wildem, leerem Blick.“ Es hätte gut sein können, dass Barbara Krugers Textarbeit am Stand des Pariser Kunsthändlers Yvon Lambert auf der Art Basel die passende Beschreibung für die Sammler auf der jüngsten Ausgabe der Kunstmesse abgegeben hätte.

22.07.2010

Aber nein. Sie hielten sich eher an Mario Garcia Torres’ Empfehlungen am Jan-Mot-Stand: „Plan machen … recherchieren … sich über den Künstler informieren … berücksichtigen, dass Preis nicht gleich Wert ist.“
Qualität scheint das neue Motto zu sein beim wichtigsten Kunstmarkttreffen des Jahres, auch wenn das stärker auf die Hauptmesse als auf die „Art Statements“ und die recht langweilige „Art Unlimited“ zutrifft. „Es war sehr ermutigend. Die Leute gehen ernsthaft an die Sache heran und kaufen nicht einfach irgendwas“, sagte die Berliner Kunsthändlerin Esther Schipper. Für einige Aussteller ging das Geschäft gleich bei der Eröffnung los. „Es herrschte eine sehr gute Atmosphäre, viel besser als im vergangenen Jahr, doch manche Dinge brauchen eben auch Zeit. Einige Leute zogen es vor, bei den stärker etablierten Künstlern im ersten Stock anzufangen“, sagte Denis Gardarin, Leiter der Sean Kelly Gallery in New York.
Der New Yorker Kunsthändler David Zwirner fand sofort Abnehmer für ein Luc-Tuymans-Gemälde (760 000 Dollar) und für vier Bilder von Francis Alÿs, dessen Einzelausstellung in der Tate Modern tags zuvor eröffnet worden war. Max Hetzler gab zwei Gemälde von Albert Oehlen in amerikanische Käuferhände und ein Werk von Mona Hatoum ans Museo Cantonale d’Arte in Lugano. Rosa de la Cruz erwarb die riesige Ugo-Rondinone-Installation aus der „Art Unlimited“, während Monique Burger aus Hongkong sich bei der Düsseldorfer Galerie Sies+Höke eine Skulptur von Kris Martin sicherte. Der Chef von McLaren Automotive, Ron Dennis, erstand ein Werk von Philippe Decrauzat bei Praz Delavallade. Das neue Geld ist ziemlich aktiv. Die Pace Gallery, New York, verkaufte eine Arbeit der israelischen Künstlerin Michal Rovner an einen chinesischen Sammler, und Mehdi Chouakri eine Skulptur von Saâdane Afif an einen österreichischen Hedgefondsmanager.
Die privaten Sammler schienen insgesamt reger als die Museen, wobei Jocelyn Wolff ein frühes Werk von Franz Erhard Walther ans Museum of Contemporary Arts in Chicago abgeben konnte. Auch wenn die Käufer auf Qualität zu achten schienen, haben spekulationsträchtige Namen weiterhin ihre Fans. Bei Emmanuel Perrotin wechselte eine Skulptur von Takashi Murakami für 1,3 Millionen Dollar den Besitzer, während Gagosian ein jüngeres Gemälde des Künstlers für 1,8 Millionen Dollar eintauschte. Wir sind heute weit entfernt von den schwindelerregenden Auktionsrekorden des japanischen Künstlers, aber diese Preise sind noch immer sehr gut.

Erstaunlicher war der Run auf Billy- Childish-Bilder bei Neugerriemschneider. Wären diese Van-Gogh- oder Edvard- Munch-Kopien des britischen Expunks in einem weniger gehypten Kontext als am Stand der Berliner Galerie zu sehen gewesen, hätte wohl niemand einen Cent auf ihn gesetzt.
Nicht verschwunden sind Wartelisten, und einige Händler können sich ihre Kunden immer noch aussuchen. Der Chef der französischen Modekette Zadig & Voltaire, Thierry Gillier, musste sich mit 40 Mitbewerbern um eine von sieben bunten Miniaturen von Paul McCarthy streiten. Am Ende ergatterte er eine, allerdings ohne sich auch noch die Farbe aussuchen zu können. Der Wirbel um die jungen Künstler hat ebenfalls nicht aufgehört. Nachdem er vor zwei Jahren in der privaten amerikanischen Rubell Family Collection zu sehen war, glänzte der Afroamerikaner Rashid Johnson jetzt bei den Nachwuchskojen „Art Statement“ am Stand von David Kordansky. Talent setzt sich durch.

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