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Geht doch: John Bock gelingt in Berlin das große Gegenmodell zum White Cube

In ihrer letzten Schau „FischGrätenMelkStand“ setzt die Temporäre Kunsthalle einen kraftvollen Schlussakkord.

von Katrin Wittneven
22.07.2010

John Bock würde wohl sagen: „Super Bohnensuppe!“ Der Berliner hat über 60 Künstlerkollegen, Architekten und Musiker eingeladen und in einem überdimensionalen Regalsystem aus Gerüststangen untergebracht, das bis unter die Decke reicht. Wie eine asiatische Metropole en miniature oder ein elektronischer Bienenstock wirkt dieses Wolkenkuckucksheim. Es flimmert und summt, und immer neue Wunderkammern öffnen sich, klettert man Stock für Stock, Raum um Raum nach oben.
Als Gegenmodell zum White Cube entstand eine offene Ausstellungsform, der Bock mit Wänden aus ausgestopften Socken oder Autoreifen Struktur verlieh. Und weil das Ganze ja immer mehr ist als die Summe seiner Teile, ergibt sich aus diesem Sammelsurium vor allem ein bocksches Gesamtkunstwerk. Dabei bewahrt jede der ausgestellten Arbeiten ihre Eigenständigkeit. Christoph Schlingensiefs Opernprojekt in Afrika findet ebenso seinen Platz wie Meuser-Skulpturen, Albert von Schrenck-Notzings parapsychologische Literatur, eine Zigarettenkippe von Jane Russell und Plakate des Seewolfs Raimund Harmstorf. Einen rotbunten Faden bildet das Thema Architektur, mit Ludwig Leos Entwurf des Umlauftanks der Berliner Versuchsanstalt für Wasser- und Schiffbau, mit Modellen Arno Brandlhubers und den zarten Vogelnestkonstruktionen des 1979 geborenen Björn Braun, die an verschiedenen Stellen im Gebäude auf diese Urformen von Häusern verweisen.
Auch vor der Konstruktion der flüchtigen Institution wurde nicht haltgemacht: Michael Sailstorfers „Unendliche Säule“ strahlt durch eine Öffnung in der Decke in die Berliner Nacht, Balkon und Dachluke perforieren die äußere Hülle; Adrian Lohmüller hat ein Loch in den Boden gegraben und schickt unseren Planeten per Post Richtung Bikini-Atoll, wo die oberste Erdschicht wegen der Strahlenbelastung ausgetauscht werden soll. Für die hoffentlich kommende Kunsthalle ist diese Schau eine Bananenflanke. Wie einst von Manni Kaltz.

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