Das Lesebuch zur Berliner Schau von Bruce Nauman führt das Publikum in die Untiefen des Unbewussten
Vergangenen Herbst zeigte das Philadelphia Museum of Art die Installation „Days/ Giorni“.
Das Werk, für das Bruce Nauman den Goldenen Löwen bei der Venedig-Biennale 2009 gewann, lässt sich als Kommentar zu den Foltermethoden unter der Regierung George W. Bush verstehen – und erwies sich als so quälend, dass die Aufsichtszeiten der Museumswärter verkürzt werden mussten. Die Angestellten hatten das penetrante Geräusch der Stimmen nicht ausgehalten. Vom Hamburger Bahnhof, wo Nauman zurzeit mit einer großen Ausstellung vertreten ist, sind solche Meldungen bislang nicht bekannt. Der 68-jährige US-Amerikaner stellt dort Videos, Neonarbeiten und seine sogenannten Erfahrungsarchitekturen vor: klaustrophobische Räume, unheimliche, angsterfüllte Situationen; seit rund 40 Jahren setzt Nauman sich mit dem Verhältnis des menschlichen Körpers zu seiner Umgebung auseinander.
Anlässlich der Berliner Schau erscheint jetzt kein Katalog, sondern ein Lesebuch. Gegliedert wurde es von A wie Arbeit bis Z wie Zirkularität, wobei jedes Kapitel von einem konkreten Werk des Künstlers ausgeht und dann mit Auszügen aus philosophischen oder literarischen Schriften in die Tiefe vordringt. Unter dem Stichwort „Clown“ etwa erfährt das Publikum, was Bruce Nauman mit Rudolf Kassner, Theodor W. Adorno, Samuel Beckett und schließlich Federico Fellini zu tun hat. Dieses an die Hypertextstruktur in der Computertechnik erinnernde Verfahren passt vorzüglich zu Naumans Schaffen, das oft von einem bloßen Gefühl in die Abgründe des Unbewussten führt, simpel und zugleich hochkomplex ist. Eine seiner bekanntesten Videoarbeiten (auch sie wird noch bis 10. Oktober in Berlin präsentiert) trägt den Titel „The True Artist Helps the World by Revealing Mystic Truths“. Dieser kurzweilige, sehr durchdachte Band hilft dabei ein bisschen nach.
- Bruce Nauman (Künstlerdatenbank)
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