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Abstraktion ist möglich: Albert Oehlen und Rainald Goetz spielen Pingpong mit Wort und Bild

„mögen sie vielleicht / einen salat vorweg?“ hebt es auf der ersten Seite in höfl icher Kleinschreibung an.

von Elke Buhr
22.07.2010

Doch die Antwort lautet: „nein danke.“ Rainald Goetz und Albert Oehlen gehen lieber gleich zum Hauptgericht über. Serviert wird Malerei mit Lyrik, aber ganz ohne Soße, denn beschaulich- betulich ist hier nichts.
Zu 13 abstrakten Kohlezeichnungen von Albert Oehlen hat Rainald Goetz 17 „Wenig- Wort-Texte“ geschrieben – und selten haben sich Sprachkunst und Bildkunst in solch harmonischem Understatement getroffen. Die Graukompositionen Oehlens, als Lithografi en in den beigefarbenen Leinenband eingeklebt, probieren mit einer Mischung aus Eleganz und Frechheit am Vokabular der spontanen Gesten herum, kombinieren geschmiert mit geschwungen, gekritzelt mit wohlaustariert: Abstraktion ist möglich, auch 2010, aber bitte ohne Pathos, lautet die Botschaft.Goetz im Gegenzug führt vor, wie „Abstrakte Realität“, so der Untertitel des Bands, in Sprache funktioniert. „tonne / ofen / loch / lineal // schmiere / linie / kurve / schwall // warte / kontur / bauch / schön prall“, steht neben einem Querformat zum Ausklappen: Goetz surft hier scharf am Bild entlang, bietet Wörter und Semantik passend zur Zeichnung seines Freunds und trifft am Ende mit dem ironisch prallen Reim die auch bei Oeh len serienmäßig mitgelieferte Distanz zur Eleganz genau. Anderswo führt Goetz rein sprachliche Experimente durch, isoliert den Laut wie Oehlen die Linie. Sprache ist Rhythmus, man könnte auch sagen, Beat – jedoch kein bierernster: Ein Spiel mit den Artikeln („den die da / der da die“) klingt schwer nach „Sesamstraße“- Song und trägt sich am Ende vor lauter Nonsens selbst aus der Kurve: „au au au aus“. „D.I.E“ haben Goetz und Oehlen ihre Etüde in konkreter Kunst genannt. Ans Sterben muss man nur kurz dabei denken, denn rettend blinken die Punkte zwischen den Buchstaben. Wortspiel wie immer unklar, aber Punkt an Oehlen/Goetz. So kann man in Ruhe auschecken: „wünschen sie noch was? / einen espresso bitte bitte danke gern.“

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Albert Oehlen, Rainald Goetz: „D.I.E.“. Galerie Max Hetzler und Holzwarth Publications, 36 Seiten, 300 Exemplare, nummeriert (35 Euro), davon Nr. 1 bis 50 signiert (180 Euro, vergriffen)