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Glanz auf unsrer Haut: Make up in Zürich untersucht Oberfl ächen

Andy Warhols Behauptung, die Wahrheit liege an der Oberfläche, sorgte in den 60er-Jahren für Erschütterung.

von Silke Hohmann
22.07.2010

Immer noch laborieren Künstler wie Jeff Koons oder Anselm Reyle an der Perfektionierung des Äußerlichen herum, eloxieren, polieren, probieren Glanzeffekte und Metalliclegierungen, um die aus der Warenwelt geborgten Verführungstricks auszuspielen: Wenn es groß ist, glänzt und leuchtet, dann willst du es auch haben!
Wenn jetzt in Zürich die These vom Reiz der idealen Hülle zurückführt zum Thema Design, wirkt das zunächst wie ein etwas umständlicher Reimport – waren es doch zuallererst die Gebrauchsgegenstände, auf die wir das Lob der Oberfläche angestimmt hatten, und Pop-Art oder Bodydesign sind nur Kinder der Produktwelt. Trotzdem ist der Versuch des Museums für Gestaltung, den haptisch-visuellen Impuls genauer zu untersuchen, interessant. Vor allem dann, wenn er nicht hinhaut wie beim „Panton Chair“, fast ein Synonym für Formbewusstsein. Er besteht im Grunde nur aus seiner Haut: Spritzguss, durchgefärbt, glatt und schimmernd. 1999 legte der Hersteller Vitra eine matte Version auf, die einfach nicht mehr den gleichen Glanz abwirft.
Manchmal sprechen die Dinge weniger über unsere Wünsche als über ihre Eigenschaften: Ein Deo mit Namen „Frottee“ und einer handtuchtrockenen Ummantelung aus genoppter Baumwolle sollte in den 70er- Jahren Achselnässe anscheinend schon an der Handwurzel bekämpfen.
Und das in den 80er-Jahren bedeutende Thema „Motivstrumpfhose“, das dann zu Recht vergessen wurde, wird gerade wiederbelebt – inzwischen sind ja 3-D-Effekte möglich.
Beim Oberflächendesign, das zeigt diese Ausstellung sehr schön, kommt es nicht nur auf die avancierte Technik an, sondern auch auf die Platzierung. Wer möchte schon Hologramme als Beine haben?

Mehr zu diesem Artikel:
Ort

Museum für Gestaltung, Zürich, 25. August bis 2. Januar 2011

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