Künstler mit vielen Galerien – in derselben Stadt? Why not, sagen die Amerikaner schon lange. Jetzt ziehen die Europäer nach
Der Umzug vieler Galerien von Köln nach Berlin hat die deutsche Kunstlandschaft verändert.
Auch deshalb, weil einige Künstler inzwischen von zwei Vertretungen in derselben Stadt angeboten werden. Matti Braun etwa gibt es bei Büro BQ und Esther Schipper. Thomas Demand stellt bei ebendieser und Sprüth Magers aus, während Daniel Buchholz und Neu Cosima von Bonin zeigen. Die Galerien haben Wege gefunden, damit umzugehen, zum Beispiel, indem sie unterschiedliche Aspekte verwalten. „Bei Matti Braun ist das sehr eindeutig, jede Vertretung verantwortet einen anderen Werkbereich“, sagt Esther Schipper.
Die Abwanderungen nach Berlin erklären nur teilweise diese Entwicklung. Denn während europäischen Händlern das Modell meist widerstrebt, sind es die New Yorker gewohnt, ihre Künstler zu teilen: Jeff Koons war bei Ileana Sonnabend und Larry Gagosian zu finden, Loris Gréaud präsentieren Yvon Lambert und Pace (im Februar 2011 laufen Einzelausstellungen in beiden Räumen). „Zwischen meinen Galerien herrscht Synergie und Transparenz“, sagt Gréaud. Und obwohl sein Mutterhaus Team heißt, stellte Banks Violette vergangenen März bei Barbara Gladstone aus. Sie vertritt ihn nicht, kann aber Arbeiten auf dem Sekundärmarkt anbieten.
Ein Arrangement, bei dem vielleicht alle gewinnen. Die jüngere Galerie muss keine Angst haben, dass ihre künftigen Stars weggelockt werden; die Künstler fühlen sich nicht gezwungen, ihre Stammvertretung zu verlassen, mit der sie üblicherweise intensiven Austausch pflegen, finden jedoch Zugang zu einem anderen Sammlernetzwerk und häufig größere Ausstellungsräume. Dieser Trend zeigt, wie begehrte Künstler Zugeständnisse erzwingen können. François Morellet hat gleich drei Galerien in Paris. Zwei davon, Kamel Mennour und Aline Vidal, organisieren im März 2011 anlässlich seiner Retrospektive im Centre Pompidou Einzelschauen für ihn. Das Kollektiv Claire Fontaine entschied sich für zwei Vertretungen, Chantal Crousel und Air de Paris.
„Eine neue Generation mit neuen Ideen taucht auf“, sagt Schipper, „wir leben nicht mehr in Zeiten der Exklusivität.“ Und für Gréaud scheint klar: „Es wäre paradox, mit Gegenwartskunst zu handeln und zugleich an konservativen Regeln zu kleben. Wenn der Künstler ein System entwickelt, das nach zwei, drei oder vier Galerien in derselben Stadt verlangt, wieso nicht?“ Fragt sich nur noch, wie zerbrechlich diese Konstellation sein könnte.
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