Auktionsvorschau
Schlingensiefs „Kirche der Angst“ wird in der Villa Grisebach errichtet
Unter der Überschrift „Ausgewählte Werke“ bündelt das Berliner Auktionshaus Grisebach die Höhepunkte des zeitgenössischen Angebots dieser Saison
Für seine düstere Landschaft aus schwarzem Acryl, Schellack und Stroh wählte Anselm Kiefer den Titel „Dein blondes Haar, Margarete“ – eine deutliche Anspielung auf die „Todesfuge“ des Dichters Paul Celan. Damit gehört das 1981 entstandene Bild zur Werkgruppe der um Celan und den Holocaust kreisenden Arbeiten. Ein Preis zwischen 250 000 und 350 000 Euro wird erwartet.
Thematisch das andere Extrem findet man auf dem von Alex Katz gemalten Bild „Ascension“ (2002; Schätzpreis: 200 000 bis 300 000 Euro). Das unbeschwerte Gemälde zeigt eine sportliche Dame mittleren Alters in sonnendurchfluteter Landschaft. Bei dem Modell handelt es sich wahrscheinlich um Katz’ Frau Ada, die häufig auf seinen Bildern vorkommt.
Keinen Geringeren als Joseph Beuys porträtierte Andy Warhol 1980. Die Künstler lernten sich im Mai 1979 in der Düsseldorfer Galerie Denise René/Hans Mayer kennen. Gute Freunde wurden sie nicht, aber ihr Umgang war von Respekt geprägt. Der zum Schätzpreis von 80 000 bis 120 000 Euro aufgerufene Siebdruck geht auf ein Polaroidfoto zurück, das Warhol in seiner Factory von Beuys machte. Das Konterfei wurde auf verschiedene Träger gedruckt, in diesem Fall auf einen Wäschebeutel in grüner Tarnfarbe.
Per Kirkeby, Sigmar Polke und Imi Knoebel sind bei den „Ausgewählten Werken“ ebenso vertreten wie die jüngere deutsche Künstlergeneration. Von Matthias Weischer stammt ein dicht gemalter, koloristisch reizvoller „Wohnwagen“ (50 000 bis 70 000 Euro), von Katja Strunz eines der wandbezogenen Faltobjekte aus Metall (20 000 bis 30 000 Euro). Ihre Präsenz gewinnen Strunz’ Faltarbeiten gerade durch Zurückhaltung und einen beinahe resignativen Charakter.
Am 27. November bietet die Grisebach-Auktion „Kunst des 19./20./21. Jahrhunderts“ die Möglichkeit, Arbeiten von Eberhard Havekost, Jonathan Meese, Jeppe Hein oder Carsten Höller zu ersteigern. Große Aufmerksamkeit ist der „Church of Fear“ gewiss, einem Miniaturmodell der Kapelle, die der jüngst verstorbene Christoph Schlingensief auf der Venedig-Biennale 2003 aufstellen ließ. Der Schätzpreis liegt zwischen 12 000 und 15 000 Euro.
Villa Grisebach, Berlin, 26. und 27. November
- Christoph Schlingensief (Künstlerdatenbank)
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