Künstler, die uns aufgefallen sind: Dan Rees
Was macht ein junger Mann, um in der Kunstwelt Fuß zu fassen?
Bei Dan Rees lautete die Antwort Pingpong. Für seine Serie „Variable Peace“, die er vor vier Jahren begann, bat er Kollegen aus der Riege bekannter Konzeptkünstler zum Match vor laufender Kamera an die Tischtennisplatte: Jonathan Monk oder Simon Starling. Die sportliche Performance funktioniert als witzige Metapher für die Position des Nachwuchskünstlers, der sich an den Vorgängern orientiert und, hoffentlich, die Bälle irgendwann zurückspielt. Nebenbei brachte ihm dieser Sport einen Platz in Starlings Meisterklasse an der Städelschule ein, wo Rees im vergangenen Jahr abschloss. Kalte Strategie möchte man dem gebürtigen Waliser dabei aber trotzdem nicht unterstellen, echte Karriereristen sind nicht dermaßen verspielt. Dass jeder, der ihn kennenlernt, ihn fördern möchte, liegt wohl eher an der sympathischen und intelligenten Art, mit der der 1982 Geborene sich seinen Weg von der bodenständigen Provinzstadt Swansea in die Welt der zeitgenössischen Kunst bahnte. „Meiner Familie, na ja, ist dieses ganze Kunstsystem eher fremd. Die fragen mich höchstens, ob ich beim Streichen des Wohnzimmers helfe, ich sei doch Künstler“, sagt Rees beim Treffen in der Hinterhauswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg, die ihm als Atelier dient. Rees machte den Clash der Mi ieus früh zu Kunst. Er lud Tacita Dean ein, eine Ausstellung in der Wohnung seiner Großmutter zu kuratieren. Ein anderes Mal fotografierte er sich selbst mit einem Schild und der Frage: „What is Gillian Wearing?“ – und verwandelte so das Problem des naiven Neuankömmlings in der Kunst in einen Kalauer. Als Rees, genervt vom anstrengenden und teuren London, 2005 nach Berlin zog, wurde er Assistent bei Jonathan Monk. Dessen entspannte Art, Alltag und Kunst zu verbinden, hat ihn beeindruckt und bestätigt. „Es muss nicht immer Lacan sein.“ Die aktuelle Ausstellung in der Berliner Tanya-Leighton-Galerie schlägt wieder die Brücke zu Swansea. Dan Rees zeigt dort eine Serie von Gemälden, die das Muster im Putz aufnehmen, auf das er in der Wohnung seiner Großmutter immer starrte, wenn er im Bett lag: „Diese geschwungenen, sich überlagernden Muster, die man mit speziellen Schabern macht, sind faszinierend – und komplett aus der Mode gekommen. Ich reproduziere das in Öl. Zu meiner Überraschung habe ich’s fast so gut hinbekommen wie die Maurer.“ Das Ergebnis sieht aus wie ein Update der Op-Art im Geist der aktuellen Renaissance der Abstraktion. Nicht der einzige Fall, bei dem Rees aus einem konzeptuellen Scherz am Ende ästhetisch ansprechende Bilder produziert. Unwiderstehlich sind auch seine Knetgemälde. Aus Flecken der bunten Masse kombiniert Rees Tupfenbilder wie von Ernst Wilhelm Nay. Dazu passen seine Skulpturen, die er gern auf Plattenspielern rotieren lässt. Unter dem spielerischen Understatement blitzt große bildhauerische Sensibilität auf. „French Cricket“ ist der Titel seiner aktuellen Ausstellung. „Kricket ist so ein uncooler Sport, das gefällt mir. Und ‚French cricket‘ nennt man die einfache Kinderversion davon“, sagt er. Für die Schau verwandelte er Kricketbeinschoner in Wandreliefs, formte einen berühmten britischen Krickethelden aus Ton, und ein nachdenklicher Frosch tritt als Dan Rees’ Alter Ego auf. Die Kunst, findet er, sei ein seltsames Feld. Man könne eigentlich machen, was man wolle, halte sich aber doch ständig an Regeln, die das System vorgebe, folge Schulen und Moden. Seine eigenen Experimente in dieser Branche kommen ihm manchmal vor wie eine anthropologische Studie. Nur dass er sich als Forscher nicht ganz ernst nimmt. Mit großen Augen steht Dan Rees da, schaut um sich, spielt herum und, ups: schon wieder ein Werk. Und schon wieder kein schlechtes.
Dan Rees wird vertreten von der Galerie Tanya Leighton, Berlin. Rees’ aktuelle Ausstellung dort: „French Cricket“, bis 23. Oktober
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