Kunstmarkt

Art Basel 2009

"Als wär's 2006!" Hoffnungsschimmer auf der wichtigsten Kunstmesse

„Bye bye to bling bling“, hatte die Art Newspaper noch am Tag vor der Eröffnung der Art Basel getitelt und, so wie fast alle Kommentatoren, eine durchwachsene 40. Ausgabe der Messe prognostiziert. Doch schon Stunden nachdem am Dienstag die ersten geladenen Gäste durch die Messehallen strömten, schien aller Pessimismus verflogen.

von Sebastian Frenzel
10.06.2009
Stand der Galerie Daniel Buchholz, Köln, courtesy Art Baselzur Bilderstrecke
Stand der Galerie Daniel Buchholz, Köln, courtesy Art Basel

Hollywood-Schauspieler Brad Pitt erwarb Neo Rauchs „Etappe“ für knapp eine Millionen Dollar bei der Galerie David Zwirner. Naomi Campbell schaute sich bei Lehmann Maupin um, Karl Lagerfeld schlich durch die Hallen, und Brad Pitt wurde später erneut gesehen, auf der benachbarten Designmesse, gemeinsam mit dem Musikproduzenten Pharrell Williams.

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  • Stand der Galerie Daniel Buchholz, Köln, courtesy Art BaselBlum & Poe, Los Angeles, courtesy Art BaselBruno Bischofberger, Zürich, courtesy Art BaselGeneral Idea, Esther Schipper, Berlin; Galerie Mai 36, Zürich; Galerie d’Art Contemporain Frédéric Giroux, Paris, courtesy Art BaselValentin Carron, Galerie Eva Presenhuber, Zürich, courtesy Art BaselMeyer Riegger, Karlsruhe, courtesy Art Basel
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Auch abgesehen von den Prominenten, ist in Basel von Krise nur wenig zu spüren. Die Angst saß tief im Vorfeld, räumt Thilo Wermke von der Berliner Galerie Neu ein – desto größer sei nun die Erleichterung. „Es ist nicht das wilde Gerenne der vergangenen Jahre, aber das Geschäft läuft gut“, sagt Wermke, der bereits am Dienstag Mittag, am Previewtag also, unter anderem eine Skulptur von Manfred Pernice und ein großformatiges Stoffbild von Sergej Jensen (45.000 Euro) verkauft hatte. „Mein Eindruck ist, dass die Galeristen sehr gut aussortiert haben, dass hier insgesamt ein sehr hohes Niveau herrscht“, meint Christopher Müller von der Galerie Daniel Buchholz. „Es werden weniger Experimente eingegangen, kaum Videokunst oder sperrige Arbeiten werden gezeigt, sondern wirklich das, was sich verkauft.“

Ein Eindruck, den auch die Londoner Galeristin Helly Nahmad, die eine Soloschau mit Arbeiten von Joan Miro zeigt, bestätigt: „Sollen wir das Handtuch hinwerfen und jetzt keine guten Arbeiten mehr zeigen? Nein!“ Bereits am Dienstag verkaufte sie Miros „Femmes et Oiseaux dans la Nuit“ für 6 Millionen Dollar.

Einige Kojen weiter, bei Luhring Augustine, erzielte Christopher Wools „Untitled (p575)“ 370.000 Dollar. Daneben berichtet ein freudestrahlender Mitarbeiter der Galerie Pace Wildenstein, man habe in den ersten zehn Minuten nach der Eröffnung mehr als eine Millionen Dollar umgesetzt, die 850.000 für den großformatigen Robert Rauschenberg, der gleich doppelt reserviert sei, nicht mitgerechnet. „Es ist fantastisch, es ist wie 2006.“

Doch es sind, später am Abend und hinter vorgehaltener Hand, auch andere Stimmen zu hören: Gerade für Werke in den höheren Preislagen seien nur schwer Abnehmer finden, oftmals müssten Rabatte eingeräumt werden, und gerade für die New Yorker und Londoner Galerien, wo seit dem Beginn der Finanzkrise im vergangenen Herbst die Telefone stillstehen, sei die Art Basel eine letzte Chance.

Zwischenfazit nach zwei Tagen: Die Art Basel hat sich an ihrem 40. Geburtstag auch in schweren Zeit mehr als behauptet. Die Spekulanten sind weg, dafür reisten die etablierten Sammler in großer Zahl an, mehrheitlich aus Europa. Die Qualität der angebotenen Werke ist bestechend, es ist deutlich weniger Kunstmarktkunst zu sehen als in vergangenen Jahren. Die wohl teuerste Arbeit auf der Messe war am Mittwoch Abend indes noch unverkauft: Bruno Bischofberger zeigt als einziges Werk Andy Warhols elf Meter langes „Big Retrospective Painting“ aus dem Jahr 1979. Der Preis: 53 Millionen Euro.


Die Art Basel läuft noch bis zum 14. Juni

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