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Heimarbeit: Der Israeli Guy Ben-Ner restauriert in Mainz Familienbilder

Durchs Schrauben wird der Mensch zum Bürger.

von Sarah Elsing
16.09.2010

Als gestrandeter Robinson Crusoe hockt Guy Ben-Ner auf einem Baumhausbausatz und kratzt sich den Bart. In einem Akt der Erkenntnis bastelt er sich aus den Ästen seiner Skulptur ein Heim mit Hochbett und Schaukelstuhl. Danach ist er so einsam wie zuvor.
Das Video „Treehouse Kit“, mit der die Kunsthalle Mainz ihre umfangreiche Ben-Ner-Ausstellung eröffnet, trifft den Nagel auf den Kopf: In allen seinen Werken geht es dem Israeli um den Platz des (Künstler-) Individuums, um Sozialisation, Konditionierung, Selbstbestimmung und Gestaltungsfreiheit des Einzelnen. Ben-Ners Ausgangspunkt bleibt dabei immer die kleinste gesellschaftliche Einheit, die Familie, und zwar seine eigene.
Für den Film „Stealing Beauty“ quartierte er sich in verschiedenen Ikea- Häusern ein, um seinem Nachwuchs zwischen Billy-Regalen, Klippan-Sofas und Besuchern beizubringen, dass Familie vor allem ein Zweckverband, Liebe nur ein Alibi und jede der Filialen jedermanns Zuhause ist. Ben-Ners Vorliebe fürs Arbeiten nach Anleitung zeigt sich auch in „Moby Dick“. Hier gestalteten er und die damals sechsjährige Tochter seine Küche zum Set für ein Homevideo um. Mithilfe von Kameratricks und Slapstick aus der Stummfilmära veranschaulicht Ben-Ner, was Familienleben bedeutet: permanente Verunsicherung, ständiges Austarieren von Macht und Ohnmacht.
„I’d give it to you if I could but I borrowed it“ beantwortet schließlich die Frage, wozu Kunst sich überhaupt gebrauchen lässt. In einem Ausstellungsraum montiert Guy Ben-Ner Marcel Duchamps „Roue de bicyclette“, Pablo Picassos „Tête de taureau“ und andere berühmte Plastiken zu einem funktionstüchtigen Fahrrad, um mit den Kindern einen übermütigen Ausflug an die Spree zu unternehmen. Und was haben wir gelernt? Schrauben macht den Menschen auch zum Künstler.

Kunsthalle Mainz, bis 31. Oktober

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